Nach dem Stellwerkbrand bei der Deutschen Bahn
„Ein solcher Brand ist einmalig in der Geschichte“

Elf Tage nach dem Stellwerkbrand in Mülheim/Ruhr sind die Folgen für die Deutsche Bahn und die Reisenden absehbar. Bis Ostern wird es etwa dauern, bis der Betrieb wieder regulär läuft. Ein Ortsbesuch in Mülheim-Styrum.

Mülheim an der RuhrAuf den ersten Blick wirkt alles normal an diesem kalten Oktobertag im Mülheimer Stadtteil Styrum. Doch spätestens ab dem Moment, als zahlreiche Bauarbeiter mit dreckigen Händen, Helm und Mundschutz aus dem Stellwerk der Deutschen Bahn treten, merkt man relativ schnell: Hier stimmt irgendetwas nicht. Ein lauter Schlag ist zu hören, bei näherem Hinsehen erblickt man schon von außen eine rabenschwarze und mit Ruß überzogene Decke.

Es sind nicht nur die Aufräumarbeiten nach dem verheerenden Stellwerkbrand, die die Deutsche Bahn in diesen Tagen vor große Herausforderungen stellen. Es ist auch der Blick nach vorne, der Kopfschmerzen bereitet. „Ein Brand in diesem Ausmaß ist einmalig in der Geschichte unseres Konzerns. Das hat es noch nie gegeben“, erklärt der Konzernbevollmächtigte für Nordrhein-Westfalen, Reiner Latsch.

Die Neuigkeiten, die die Bahn elf Tage nach dem Brand verkünden muss, scheinen Latsch zu beschäftigen. Die vollständige Inbetriebnahme des wichtigen Streckenabschnitts zwischen Duisburg und Essen werde sich bis Ende März 2016 verzögern. „Wir arbeiten mit Hochdruck und gehen an unsere Grenzen“, sagt er mit ruhiger Stimme. Doch der Zugverkehr auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Deutschen Bahn muss für ein halbes Jahr lang zum Teil eingefroren werden.

So lange wird es also dauern, bis das Stellwerk in Mülheim-Styrum wieder voll funktionsfähig ist. „Nach bisherigen Erkenntnissen beläuft sich der Schaden auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag“, sagt Reiner Latsch. Ursächlich für den Brand war nach bisherigem Erkenntnisstand ein technischer Defekt in einer Schalteinheit – eine Verursachung durch Dritte kann laut Latsch „ausgeschlossen“ werden. Eine endgültige Aussage könne man erst in vier Wochen treffen, wenn das Gutachten vorliege.

Betrachtet man die Gesamtsituation, hatte die Deutsche Bahn allerdings sogar das berühmte Glück im Unglück. Latsch sagt: „Der Schaden ist erheblich, aber es ist kein Totalschaden. Das Gebäude kann erhalten bleiben.“ Von der obersten Etage, dem Bedienungsraum des Stellwerks, ist nach den Flammen nicht mehr viel übrig. Stelltafel und Bedienungstableau sind zerstört, 45 Weichen und rund 100 Signale können dadurch nicht mehr gesteuert werden.

Die Rauchrückstände erfordern einen Mundschutz, das lädierte Dach wird von einem Gerüst gestützt. Dass man aber nicht von einem Totalschaden spricht, liegt daran, dass die erste und zweite Etage vorwiegend verschont blieben. Dort befinden sich die sogenannten Relaisräume, in denen die Befehle technisch umgesetzt werden – Unmengen an Kabeln und Schaltern auf engstem Raum, die auf jede kleine Berührung empfindlich reagieren können

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Vollständige Wiederherstellung

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Ein grundlegendes Problem

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