Nach dem Zusammenbruch der Beteiligungsfirma droht dem Frankfurter Immobilienkonzern die Zerschlagung
Sirius-Insolvenz schockt WCM-Anleger

Neuer Schock für die Aktionäre der angeschlagenen Frankfurter WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG: Die Sirius Beteiligungs GmbH in Wackerow, an der WCM 45 % besitzt, hat am Freitag überraschend Insolvenz angemeldet, teilte die WCM mit. Die Notierung der im M-Dax notierten Gesellschaft rutschte daraufhin um 22 % auf ein neues Rekordtief von 0,99 Euro. WCM ist an der Börse noch 280 Mill. Euro wert.

HAMBURG. Grund für den Kurseinbruch ist, dass der Frankfurter Konzern mit der Insolvenz der ostdeutschen Gesellschaft seine einzige Ertragsperle und zugleich sein werthaltigstes Finanzengagement verliert. Sirius ist mit knapp 50 % an Europas größtem Immobilienkonzern, der Bonner IVG Holding, beteiligt. Die WCM hält ferner Anteile an der Frankfurter Commerzbank und der Duisburger Klöckner-Werke AG.

WCM war vor allem durch die Schuldenprobleme des Großaktionärs Karl Ehlerding in Bedrängnis geraten. Der Hamburger Kaufmann hatte sich durch Fehlspekulationen mit Aktien der Frankfurter Commerzbank finanziell verhoben. Seine Hausbanken forderten deshalb, dass er sich von seinem 40 %igen WCM-Paket trennt, um seine private Schulden von 450 Mill. Euro zu begleichen. Die Anteile sollte ein Erwerber über eine Kapitalerhöhung erhalten. Damit sollte gleichzeitig frisches Kapital in den Konzern gepumpt werden.

Dabei galt IVG-Anteil als Köder, um einen Käufer den Einstieg bei der WCM schmackhaft zu machen. Dieser ist mit dem jetzigen Zusammenbruch der Beteiligungsgesellschaft Sirius weggefallen.

Jetzt wird die Insolvenz des ostdeutschen Unternehmens aber zu einem großen Problem für den WCM-Vorstandschef Roland Flach: Um den hohen Schuldenberg weiter zu senken, muss er sich nun von Anteilen der Commerzbank und der Klöckner-Werke trennen. Denn durch den Wegfall von Sirius mit Krediten von mehr als 620 Mill. Euro sind bei der WCM die Gesamtverbindlichkeiten von 2,9 Mrd. Euro nicht gesunken, da Sirius mit ihrem IVG-Anteil in der WCM-Bilanz nicht konsolidiert wurde.

Um aus der Schuldenfalle zu gelangen, bleibt Flach nur noch die Zerschlagung als Ausweg. Diesen Schritt hatte der neue Aufsichtsratschef Dieter Vogel bereits Anfang vergangener Woche angedeutet. Der ehemalige Thyssen-Chef betonte, dass WCM ihre Beteiligungen an der Commerzbank und den Klöckner-Werken überprüfe. Der Frankfurter Konzern solle künftig nur noch als reines Immobilienunternehmen mit seinen 53 000 Wohnungen fungieren.

Fraglich ist aber, ob Flach und Vogel für das Commerzbank-Paket schnell einen Käufer finden. Das Frankfurter Geldhaus hatte zwar erst vor kurzem Wertberichtigungen in Milliardenhöhe und eine Kapitalerhöhung vorgenommen, um die Bilanz zu entschlacken. Doch ein Erwerber ist für den inzwischen bei der WCM auf 4,9 % geschrumpften Banken-Anteil nicht in Sicht. Auch für die Duisburger Maschinenbau- Holding Klöckner-Werke stünden die Käufer nicht Schlange, heißt es aus Bankenkreisen.

Die Insolvenz der WCM-Beteiligungsfirma Sirius haben vor allem die Kaufleute Klaus-Peter Schneidewind und Clemens Vedder ausgelöst. Die beiden Anteilseigner der Amsterdamer Finanzholding Rebon B.V. hatten sich erst vor kurzem einen 42 %igen Anteil an Sirius einverleibt, indem sie einen alten Optionsvertrag ausübten. Diese Anteile wollten sie an die WCM verkaufen und forderten hierfür ein Betrag in hoher zweistelliger Euro-Millionenhöhe, heißt es aus WCM–Kreisen. Doch weder Flach noch die kreditgebenden Sirius-Banken waren bereit, den Preisvorstellungen der Kaufleute zu folgen.

Um die Geldforderungen der beiden Finanzspezialisten rechtlich ins Leere gehen zu lassen, blieb der Sirius-Geschäftsführung deshalb nur noch der Gang zum Insolvenzrichter. Nun wollen die Sirius-Banken die IVG-Anteile bis Januar in Form eines Auktionsverfahrens selbst verwerten.

Interesse an dem IVG-Paket zeigen bereits mehrere Immobilienfirmen aus Österreich, USA und Großbritannien, heißt es aus Bankenkreisen. Der Anteil ist bei einem Kurs von rund 9,20 Euro derzeit knapp 534 Mill. Euro wert. Würden die Geldhäuser diesen Preis erzielen, hätten sie ihr Kreditengagement von mehr als 600 Mill. Euro fast wieder abgedeckt. Zu den Sirius-Banken gehören unter anderem die Frankfurter DZ und WGZ Bank.

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