Nach der Air-Berlin-Übernahme
Easyjet will mehr fürs Flugticket

Easyjet profitiert offenbar von der schwächelnden Konkurrenz: Nach dem Aus von Air Berlin und Monarch setzt der Billigflieger auf steigende Ticketpreise. Im Januar will er in Berlin Tegel starten.
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LondonDer britische Billigflieger Easyjet setzt auf steigende Ticketpreise und will damit die Kosten der Air-Berlin-Übernahme abfedern. Die Fluggesellschaft rechnet im laufenden Quartal mit positiver Preisentwicklung sowie besserer Auslastung und begründet dies auch mit dem Ausscheiden mehrerer Wettbewerber, wie Easyjet am Dienstag mitteilte.

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hatte Ende Oktober den Flugbetrieb in eigener Regie eingestellt und auch der insolvente britische Ferienflieger Monarch ist vom Markt verschwunden. Der größere Rivale Ryanair Tausende Flüge streichen.

Im Januar will Easyjet den Platz von Air Berlin am Berliner Flughafen Tegel einnehmen und dort erste Flüge anbieten. „Wir sind dann die führende Kurzstrecken-Airline in Schönefeld und Tegel“, sagte Vorstandschefin Carolyn McCall. Welche Ziele jeweils von welchem Berliner Flughafen angeflogen werden, ließ das Unternehmen noch offen.

Easyjet hat für 40 Millionen Euro Teile von Air Berlin übernommen. Dieses Engagement am Berliner Flughafen Tegel werde in dem im September 2018 zu Ende gehenden Geschäftsjahr unter dem Strich auf einen Verlust von 60 Millionen Pfund hinauslaufen, erklärte Easyjet. Die Einmalbelastungen etwa für das Umlackierungen von Flugzeugen oder das Training von Crews bezifferte das Unternehmen auf 100 Millionen Pfund (rund 112 Millionen Euro). Die Briten leasen im Rahmen des Anteilskaufs von Air Berlin bis zu 25 A320-Flugzeuge und erwerben Start- und Landerechte. Es sollen rund 1000 Stellen in Berlin ausgeschrieben werden.

Im Gesamtjahr 2017 (per Ende September 2017) sank der Vorsteuergewinn von Easyjet um gut 17 Prozent auf 408 Millionen Pfund und lag damit in der angepeilten Spanne von 405 bis 410 Millionen Pfund. Die Briten bezifferten die Effekte durch die schwache Währung auf 101 Millionen Pfund.

Der Umsatz pro Sitzplatz dürfte im ersten Halbjahr unter anderem wegen der aus dem Markt verschwundenen Anbieter im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Bei der angepeilten Kapazitätsausweitung ist die Übernahme der Air-Berlin-Aktivitäten am Berliner Flughafen Tegel noch nicht enthalten.

Die scheidende Konzernchefin Carolyn McCall sprach von einem „robusten“ Ergebnis in einem für die Branche schwierigen Jahr. Sie betonte, die Zahl der Passagiere sei um rund zehn Prozent auf den Rekordwert von 80 Millionen gestiegen. Zudem habe der Umsatz um acht Prozent auf fünf Milliarden Pfund zugelegt. Die Easyjet-Aktien stiegen um bis zu 4,2 Prozent und waren damit Spitzenreiter im Londoner Auswahlindex FTSE. Die Papiere des Erzrivalen Ryanair gewannen 2,4 Prozent.

Der langjährige Tui-Manager Johan Lundgren übernimmt am 1. Dezember den Steuerknüppel bei Easyjet und löst die seit 2010 amtierende McCall ab. Sie wechselt am Jahresende als Chefin zum britischen Privatsender ITV.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das geht gar nicht! Wie kann nur Easyjet von der Air Berlin Pleite profitieren? Das macht man nicht, man erhöht nicht einfach die Preise!

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