Nach der Entgleisung
Bahn verstärkt Überprüfung von ICE-3-Zügen

Nach der Entgleisung eines ICE-3 am Kölner Hauptbahnhof will die Bahn die Schnellzüge künftig wesentlich häufiger überprüfen als bisher. Zu Wochenbeginn soll wieder alle ICE-Strecken befahren werden können.

HB BERLIN. Die Modelle der neuesten ICE-Generation würden künftig bereits alle sechs Wochen nach 60 000 Kilometern statt erst nach 300 000 Kilometern kontrolliert, sagte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen auf Nummer sicher gehen“, sagte die Sprecherin. Die aktuelle Überprüfung von bisher knapp der Hälfte der 61 ICE-3-Modelle habe keine Beanstandungen ergeben.

Unterdessen blieb die Ursache für den Unfall weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft schließt allerdings inzwischen aus, dass die Notbremsung durch das Zugpersonal schuld gewesen sei. „Das war nicht die Ursache der Entgleisung“, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Das Fahrpersonal hatte den Zug am Mittwoch erst bei der Ausfahrt aus dem Kölner Bahnhof gestoppt, nachdem sich zuvor wiederholt Reisende über verdächtige Klappergeräusche beschwert hatten. Bei der Notbremsung entgleiste der Zug mit einem Achsbruch. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat unter anderem ein Gutachten in Auftrag gegeben. Bei Hinweisen auf Materialfehler würden die Ermittler möglicherweise auch an den Siemens-Konzern als Hersteller der Züge herantreten, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bereits am Freitag erklärt.

Die Bahn geht bisher von einem Einzelfall aus. Sie hatte dennoch die gesamte ICE-3-Flotte aus dem Verkehr gezogen. Deshalb kam es auch am Wochenende zu Zugausfällen und Verspätungen. Am Sonntag wurden nach Bahn-Angaben mittlerweile wieder 80 Prozent aller ICE-3-Strecken befahren, zum Teil noch mit langsameren Ersatzzügen und mehr Umstiegen.

Am Wochenanfang sollte sich die Lage weiter entspannen. „Wir gehen davon aus, dass wir am Montag weitgehend alle ICE-Strecken wieder befahren können“, sagte die Bahn-Sprecherin.

Der Fahrgastverband Pro Bahn stellte sich hinter das Unternehmen und bezeichnete die Rückrufaktion als reine Vorsichtsmaßnahme. Dagegen warnte Schienenverkehrsexperte Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin vor einer Bagatellisierung: „Ein solcher Defekt ist das gefährlichste, was es gibt“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Der Achsschaden müsse schon länger vorhanden gewesen sein.

Nach dem schwersten Eisenbahnunglück in Deutschland vor zehn Jahren im niedersächsischen Eschede war der Bahn mangelhafte Wartung vorgeworfen worden. Damals war ein ICE wegen eines defekten Radreifens entgleist und gegen einen Brückenpfeiler geprallt. Dabei starben 101 Menschen.

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