Nach der Insolvenz
Arcandor wird Thomas Cook nicht los

Was wird aus dem Arcandor-Reich? Diese Gretchenfrage lässt sich nur mit viel Geduld beantworten. Denn es liegen nicht nur die Gespräche mit Metro um den Verkauf von Karstadt auf Eis. Auch die Touristik-Tochter Thomas Cook ist nicht leicht zu verkaufen. Es geht nicht nur um die spannende Frage nach Käufern. Auch die Banken haben ein Wörtchen mitzureden.

HB/ek DÜSSELDORF. Die im Zusammenhang mit der Arcandor-Insolvenz auftauchende Spekulation, dass der Handels- und Touristikkonzern Rewe die Arcandor-Reisetochter Thomas Cook komplett übernimmt, beflügelte zwar vorübergehend die Börse. Doch sowohl den offiziellen Bekundungen aus beiden Konzernen als auch Einschätzungen aus der deutschen Touristikbranche zufolge steht die Geburt eines neuen Reise-Riesen keinesfalls unmittelbar bevor. Völlig offen ist auch die Reaktion des Kartellamtes, das - so ein Sprecher - "in der jüngsten Vergangenheit überhaupt keine Fallpraxis in der Touristik" gehabt hat.

Die Verbindung der Rewe-Touristik mit Thomas Cook würde einen Großteil der Reiseveranstalter-Marken in Deutschland verbinden. Zum Kölner Handelshaus gehören über ITS, Tjaereborg und Jahn-Reisen hinaus auch die in Frankfurt angesiedelten DER-Gruppe mit dem größten deutschen Bausteinreiseveranstalter Dertour sowie Meier's Weltreisen und ADAC Reisen. Thomas Cook firmiert zwar auch unter diesem Namen als Touristikanbieter, doch wesentlicher sind die Marken Neckermann und Bucher und die Ferienfluggesellschaft Condor.

Im deutschen Touristik-Markt hätten beide Konzerne zusammen einen Marktanteil von fast 30 Prozent - während der Marktführer Tui Deutschland bei etwa 23 Prozent liegt. Gemessen an den Gästezahlen hätte Rewe mit Cook im vergangenen Jahr erstmals geringfügig mit knapp 600 000 Buchungen vor Tui gelegen. In puncto Konzern-Umsatz würden die derzeitige Nummer 2 (Cook) und Nummer 3 (Rewe) bei umgerechnet rund 16 Mrd. Euro in etwa gleich aufschließen.

Branchenkenner halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass es zu einer Übernahme kommt. Sie verweisen darauf, dass Rewe dazu ein Übergabeangebot für die an der Londoner Börse notierte Thomas Cook abgeben müsste. Neben dem Arcandor-Paket von knapp 53 Prozent und zwei kleineren Versicherungsbeteiligungen ist etwa ein Drittel des Aktienpakets im Streubesitz. Beim derzeitigen Börsenwert müsste Rewe etwa drei Milliarden Euro aufwenden, um die Unternehmensführung zu übernehmen. Aus dem Konzern war aber schon vor der Arcandor-Pleite signalisiert worden, dass das zu viel sei. Derzeit macht Rewe kaum mehr als zehn Prozent seines Umsatzes mit der Touristik. "So viel wollen und können die vermutlich gar nicht in das Geschäft investieren, da werden auch die Genossenschafter nicht mitspielen", sagte ein Insider

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