Nach der Insolvenz von Delta Air Lines und Northwest Airlines
Analyse: US-Airlines auf Sturzflug

Mit Delta Air Lines und Northwest Airlines sind am späten Mittwochabend zwei weitere Schwergewicht der Branche unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts (Chapter 11) geflüchtet. Eine Fusionswelle bahnt sich an. Doch sind Zusammenschlüsse der vergangenen Jahre für die schlechte Lage mitverantwortlich.

DÜSSELDORF. „Wenn es die Unternehmen nicht schaffen, ihre Kosten deutlich zu senken, wird es eine Pleite nach der anderen geben.“ Der US-Luftfahrtveteran und Harvard-Professor Michael E. Levine hat Recht behalten mit seiner düsteren Prognose. Vor Delta Air Lines und Northwest Airlines hatten sich bereits US Airways (2002 und 2004) und United Airlines (2002) unter den Schutz des Chapters 11 begeben.

Bei der neuerlichen Pleitewelle spielt eine Rolle, dass am 17. Oktober ein restriktiveres US-Konkursrecht in Kraft tritt: Es untersagt Firmen künftig, sich dem Zugriff der Gläubiger länger als 18 Monate zu entziehen. Ausufernde Sanierungsphasen wie bei United Airlines sind dann nicht mehr möglich. Der Lufthansa-Partner profitiert seit fast drei Jahren von der Milde des US-Insolvenzrechts. Frei nach dem Motto „Pleite, na und?“ fliegt United trotz horrender Schulden unverdrossen weiter. Und die Gläubiger schauen in die Röhre, weil sie nicht an ihr Geld herankommen.

Die Nummer zwei im US-Markt hat ihre Kosten inzwischen massiv gesenkt und im Konkursverfahren einige Lasten – etwa die milliardenschweren Pensionsansprüche seiner Mitarbeiter – auf den Staat abwälzen dürfen. So will die Fluglinie ihre Pleite hinter sich lassen und mit den niedrigsten Betriebskosten aller Traditions-Carrier wieder durchstarten.

Dass vor diesem Hintergrund auch Delta und Northwest - Nummer drei und vier der Branche - zum letzten Rettungsanker greifen, kommt für Experten wenig überraschend. Seit 2001 hat Delta, die im Vorjahr 87 Millionen Passagiere beförderte, Verluste in Höhe von 10 Milliarden Dollar angehäuft. Zwar konnte die Pleite 2004 durch einen verschärften Sanierungsplan noch einmal abgewendet werden. Die Hauptprobleme, die den chronischen Cash-Abfluss verursachen, blieben jedoch bis zum heutigen Tag.

Auf der Erlösseite sind die Flugpreise durch die erfolgreiche Expansion vieler Billigflieger schwer unter Druck. Schlimmer noch entwickelt sich die Kostenseite. Zwar sind die Bemühungen bei Delta, das US-Flugpersonal zu schmerzlichen Tarifkürzungen zu bewegen, inzwischen ehrgeizig. Doch das Management schaut ohnmächtig dabei zu, wie die dramatisch gestiegenen Kerosinpreise alle Sparpläne wieder über den Haufen werfen. Inzwischen hat die Treibstoffrechnung ein nie zuvor gesehenes Niveau erreicht. Der Kerosineinkauf macht bei einigen Airlines schon bis zu 30 Prozent der Betriebskosten aus und löst allmählich den Personalaufwand als wichtigsten Kostenfaktor ab.

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