Nach der Mehrwertsteuererhöhung
Einzelhandel reduziert Umsatzprognose

Deutschlands Einzelhändler spüren die negativen Folgen der Mehrwertsteuererhöhung stärker als erwartet. Der Branchenverband HDE erwartet im Gesamtjahr beim Umsatz nur ein Plus von 0,5 Prozent. Dennoch zeigen sich viele Händler für die zweite Hälfte dieses Jahres zuversichtlich.

cs DÜSSELDORF. „Wir leiden immer noch unter ihren Schleifspuren“, kommentierte am gestrigen Dienstag Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), die Lage. Die Branche werde daher im Gesamtjahr beim Umsatz nominal wohl nur um 0,5 Prozent wachsen, sagte er. Bislang war der Verband von einem Plus von einem Prozent ausgegangen. Metro- und Douglas-Aktien gerieten anschließend leicht unter Druck, die von Arcandor (Karstadt-Quelle) legten dennoch zu.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat der Einzelhandel – ohne KFZ-Handel, Tankstellen, Apotheken und Brennstoffhandel – in den ersten sieben Monaten des Jahres nominal 0,3 Prozent seines Vorjahresgeschäfts eingebüßt. Nach einer Umfrage des HDE unter 750 Unternehmen litt darunter vor allem der Handel mit langlebigen Konsumgütern. Dort nämlich hatten sich Deutschlands Verbraucher noch reichlich vor der Jahreswende eingedeckt – um die Geschäfte dann ab Januar zu meiden.

So meldeten 56 Prozent der befragten Möbelhändler ein Umsatzminus im ersten Halbjahr 2007. Ähnlich viele waren es unter den Elektronik-Anbietern. Auch die Heimwerkermärkte traf die Zurückhaltung: Dort fuhren bis Juni 43 Prozent geringere Erlöse ein als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Angesichts der verlängerten Ladenöffnungszeiten überrascht, dass Einzelhändler in der Innenstadt die größten Umsatzverlierer im ersten Halbjahr 2007 waren. Die deutlichsten Zuwächse erzielten Mieter in Einkaufszentren. „Dort lassen sich einheitliche Ladenöffnungszeiten leichter durchsetzen“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer.

Insgesamt befinden sich seit der Mehrwertsteuererhöhung die Renditen im Rückwärtsgang. Allenfalls ein Drittel der Zusatzbelastungen hätten die Geschäfte an die Kundschaft weitergeben können, berichtet Genth. Nur 19 Prozent der befragten Betriebe hätten von Januar bis Juni ihre Gewinne steigern können – gegenüber 22 Prozent im Vorjahr. Für fast die Hälfte von ihnen habe sich die Gewinnsituation jedoch verschlechtert.

Dennoch rechnet der HDE-Hauptgeschäftsführer nicht mit einer Zunahme der Insolvenzen in der Branche. Die Zahl der Pleiten werde 2007 mit 3 500 auf dem Stand des Vorjahres bleiben, glaubt er.

Ein wesentlicher Grund für den Optimismus: Viele Händler zeigen sich für die zweite Hälfte dieses Jahres zuversichtlich. Schließlich befinde sich die deutsche Wirtschaft in einer guten Verfassung, die Entwicklung am Arbeitsmarkt sei erfreulich. Derzeit seien mit 3,7 Millionen rund 15 Prozent weniger Arbeitslose gemeldet. Im ersten Halbjahr 2007 habe sich daher das zur Verfügung stehende Einkommen der Deutschen um 5,2 Mrd. Euro vergrößert. 5,5 Mrd. Euro seien in diesem Zeitraum auf die Sparkonten gewandert.

Gleichzeitig warnt der HDE vor Panikmache bei den aktuellen Preisanhebungen im Lebensmittelhandel. Zwar seien einige Molkereiprodukte um 20 Prozent teurer geworden, für Deutschlands Nahrungsmittel hätte man im August durchschnittlich aber nur 2,1 Prozent mehr zahlen müssen als im Januar. Dies liege fast auf dem Niveau der allgemeinen Inflation von 1,8 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%