Nach DHL-Paket-Stopp
Neckermann kann vorerst aufatmen

Nachdem DHL die Auslieferung von Paketen des insolventen Versandhändlers Neckermann gestoppt hatte, war die Lage dramatisch. Vor der Neckermann-Zentrale stapelten sich die Pakete - jetzt gibt es eine Entwarnung.
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Frankfurt/Main, DüsseldorfBeim angeschlagenen Versandhaus Neckermann kann das Management um Henning Koopmann acht Tage nach dem Insolvenzantrag aufatmen — zumindest vorerst: „Ab morgen beginnt DHL wieder mit der Auslieferung der Pakete“, sagte Insolvenzverwalter Michael Frege dem Handelsblatt.

Es sei gelungen, mit den Lieferanten und Warenkreditversicherungen zu vereinbaren, dass die Waren an die Kunden ausgeliefert werden. Der vor der Insolvenz verursachte Stau werde in den nächsten Tagen aufgelöst. „Der Warenverkehr ist gesichert“, sagte Frege.

Der Logistikdienstleister der Deutschen Post hatte die Aussendungen am Montag eingestellt, weil der Bonner Konzern fürchtete, wegen der Pleite seines Kunden auf den Kosten sitzen zu bleiben. Im Geschäftsjahr 2010 — neuere Zahlen liegen noch nicht vor — hatte Neckermann für den Versand 113 Millionen Euro gezahlt. Hinzu kamen geschätzte 15 Millionen Euro Porto für die Katalogzustellung.

Durch den Lieferstopp wurde die Lage des einstigen Traditionsversenders noch dramatischer. Beinahe 30.000 Pakete verlassen normalerweise täglich das Gelände von Neckermann. Vor wenigen Tagen noch hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege versichert, Verkauf, Versand und Service würden weiter laufen. Frege versicherte: „Die Kunden können bei neckermann.de weiter einkaufen“. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) gilt für die Kunden eigentlich: Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden.

Gegenüber „Der Handel“ wollte man in der Kanzlei der vorläufigen Insolvenzverwalter zum Lieferstopp keine Stellungnahme abgeben. Man werde sich erst in der kommenden Wochen zum Neckermann-Verfahren äußern, hieß es.

Laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ vom Dienstag stapeln sich auf dem Hof der Frankfurter Neckermann-Zentrale die Pakete. In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob es bei dem zahlungsunfähigen Versandhändler weitergeht und wie eine Sanierung ablaufen könnte. Einzelne Unternehmensbereiche wie der Möbelverkauf oder der Vertrieb von Technikprodukten gelten noch immer als profitabel. Das Geschäft mit anderen Vertriebspartnern, die ihre Produkte online über die Neckermann-Plattform anbieten, wächst nach Angaben von Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt sogar zweistellig.

Die Neckermann.de GmbH hatte am vor einer Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, den Geldhahn zugedreht hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2.250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

Unklar ist noch, wie stark die Neckermann-Pleite auf andere Unternehmen abfärbt - etwa 150 kleinere Firmen, die ihre Waren als Vertriebspartner über Neckermann.de anbieten, sind von der Insolvenz betroffen. Sie befinden sich momentan in der Bredouille. Denn: Kunden, die ihre Produkte im Online-Shop kaufen, überweisen das Geld zuerst an Neckermann. Das Unternehmen sollte den Betrag dann abzüglich der Provision an seine Partner überweisen, doch dies sei seit Juni nicht mehr geschehen, so einige Firmen vor kurzem in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung.“

Die Deutsche Post rechnet trotz der Insolvenz ihres Großkunden weiter mit guten Zahlen für dieses Jahr. „Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und prüfen entsprechende Folgen für uns im Detail“, ließ Finanzvorstand Larry Rosen mitteilen. „Den Geschäftsverlauf in 2012 sehen wir aber weiterhin ungebrochen positiv.“

Nach Berechnungen des „Handelblatts“ könnten der Post durch die Insolvenz ihres Großkunden zum Jahresende bis zu 100 Millionen Euro in der Kasse fehlen. 2005 hatte die Post die Groß- und Stückgut-Logistik der einstigen KarstadtQuelle AG übernommen, zu der damals auch Neckermann gehörte.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • Ich habe aus versehen an Neckermann 500 Euro überwiesen und bekomme über den Kundenservice keinerlei Auskunft btr. Rücküberweisung. Es ist eine marode, unseriöse Firma. Wenn mir jemand zuviel gibt, gebe ich es umgehend zurück! Kundenservice ist immer besetztk, man kommt nicht durch. Ich werde einen Rechtsanwalt beauftragen.

  • Wenn man sich über leid anderer freut oder es ihnen auch noch gönnt, bin ich schon froh das du den gutschein nicht mehr einlösen kannst. natürlich ist die pleite hausgemacht und auch das management mit dran schuld. doch auch hier sollte man global denken. die pleite zumindest die erste ursache liegt nun schon 3-5 jahre zurück.

  • Es wird Zeit, dass dieser Laden dicht macht! Selten so einen schlechten Webshop erlebt!!! Leider habe ich einen Gutschein, den ich noch gerne eingelöst hätte... So viel Inkompetenz und Inconvenience in einem Webshop vereint - OHNE Worte! Oder bin ich zu sehr Amazon verwöhnt? An die studierten Manager bei Neckermann, schon mal was von "Benchmark" gehört? Nachlesen bei Wiki und dann ist schämen angesagt!

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