Nach drei Jahren Krise nur leichte Erholung
Terror durchkreuzt die Tourismusgeschäfte

Ein Jahr nach dem Irak-Krieg sehnt sich die Tourismusbranche vergebens nach friedlicher Ruhe. Wie kein anderer Industriezweig ist das Reisegeschäft auf sichere Standorte angewiesen, an denen die Kunden ihren Urlaub verbringen. Doch nach dem jüngsten Terroranschlag in Madrid heißt das ernüchternde Fazit mal wieder: „Absolute Sicherheit kann kein Reiseveranstalter garantieren, nirgendwo auf dem Planeten.“

DÜSSELDORF. Ein trauriger Gewöhnungseffekt ist der einzige Hoffnungsschimmer, an dem sich die Reiseindustrie derzeit festhält: „Anders ist es nicht zu erklären, dass das Reiseziel Ägypten in diesem Jahr wieder hoch im Kurs steht“, sagt Stephan Gerhard, Hotellerie-Experte der Unternehmensberatung Treugast. In der Tat leiden Ferienziele wie Ägypten, Bali oder Djerba, die in der Vergangenheit von tödlichen Attentaten heimgesucht wurden, selten länger als zwei Jahre unter dem Schock des Terrors. „Die meisten Urlauber haben ein Kurzzeitgedächtnis“, ist ein häufig gehörter Spruch in der Branche, mit dem sich freilich keiner offiziell zitieren lässt.

Innerhalb des globalen Tourismussystems gibt es zudem immer wieder Regionen, die durch den vorübergehenden Ausfall bestimmter Reiseziele profitieren. „Zwar leidet die Branche generell unter Krieg und Terror, doch viele Reiseströme werden oft auch nur umgelenkt“, betont ein Manager eines deutschen Reiseveranstalters. Ein Trend ist dabei unverkennbar: Seit 2002 machen die Deutschen vermehrt Urlaub in der Heimat, weil sie sich dort sicherer fühlen als im Ausland. Einer Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zufolge hat sich dieser Trend im Vorjahr weiter verstärkt.

Dass erdgebundene Reisen wieder in Mode sind, trifft insbesondere die Ferienfluglinien der europäischen Branchen-Riesen Tui und Thomas Cook, die zudem von expandierenden Billigfliegern hart attackiert werden. Beide Reisekonzerne erwarten für 2004 dennoch eine Markterholung auf niedrigem Niveau. Die Dresdner Bank geht in einer Studie davon aus, dass die Deutschen im laufenden Jahr wieder 55 Milliarden Euro für Auslandsreisen ausgeben werden, fünf Prozent mehr als 2003.

Die Branche weiß indes, wie sensibel ihre Kundschaft reagiert. Sollten sich die Terrordrohungen innerhalb Europas ausweiten, dürften die Prognosen kaum den Sommer überstehen. Bisher sieht die Tui – auch nach den Attentaten in Madrid – allerdings „keine veränderte Einschätzung der Sicherheitslage“.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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