Nach einer Studie der Weltbank wird sich das Marktvolumen in diesem Jahr vermutlich verdoppeln
Emissionshandel wächst – auf niedrigem Niveau

Ein halbes Jahr vor dem Start des europaweit geplanten Handels mit Emissionsrechten legt der Markt weltweit zu – bleibt allerdings noch auf einem bescheidenen Niveau. In diesem Jahr werde sich das Handelsvolumen vermutlich verdoppeln, heißt es in einem Bericht der Weltbank, den sie am Rande der Fachmesse Carbon Expo 2004 in Köln vorstellte.

juf KÖLN. Bis Mitte Mai seien Zertifikate für über 64 Mill. Tonnen Kohlendioxid gehandelt worden – dies entspricht bereits rund drei Viertel der Gesamtsumme 2003 von 78 Mill. Tonnen.

Richtig in Schwung kommen wird der Handel aber erst, wenn im kommenden Jahr die Europäische Union ihr Handelssystem einführt. Allein in Deutschland werden den beteiligten Energiekonzernen und Industriebetrieben dann pro Jahr rund 500 Mill. Tonnen an Emissionsrechten zugebilligt. Bislang werden Zertifikate lediglich in einzelnen Projekten – vor allem in Asien und Lateinamerika gehandelt.

Mit dem Emissionshandel sollen die Vorgaben der Weltklimakonferenz von Kyoto 1997 umgesetzt werden, die den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid drastisch senken sollen. Unternehmen erhalten Zertifikate, die sie zur Produktion einer festgelegten Abgas-Menge berechtigen. Kommen Sie damit nicht aus, müssen sie von anderen Konzernen Zertifikate zukaufen.

Im Jahr 2007 wird der Gegenwert der pro Jahr gehandelten Emissionsrechte nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Point Carbon bereits rund zehn Mrd. Dollar betragen. Zum Vergleich: Nach Angaben der Weltbank hat sich das Volumen für die Jahre seit Kyoto insgesamt nur auf 800 Mill. Dollar summiert. Die Weltbank stützt ihre Studie auf Erkenntnisse von Marktforschungsunternehmen und einzelnen Regierungen. Bislang sei die Datenbasis aber noch recht dünn, bemängelte die Organisation.

„Der Emissionsmarkt entwächst den Kinderschuhen“, sagte Andrei Marcu, Präsident der International Emissions Trading Association (IETA), in der rund 80 Unternehmen zusammen geschlossen sind und die sich die Förderung des Marktes zum Ziel gesetzt hat. Mit dem europäischen System werde der weltweit größte Markt dieser Art etabliert, betonte Marcu. Eine Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Russland würde zusätzliche Impulse geben.

Die IETA ist neben der Weltbank und der Köln-Messe GmbH Veranstalter der Carbon Expo, der weltweit ersten Messe zum Emissionshandel. Auf der Ausstellung, die noch bis heute läuft, zeigen rund 50 Unternehmen Produkte und Technologien zur Verminderung klimaschädlicher Treibhausgase – unter anderem Berater, Technologiefirmen oder Finanzdienstleister. Über 700 Besucher hatten sich angemeldet.

Als einer der Vorreiter im Emissionshandel zählt der britische Ölkonzern BP, der ebenfalls an der Messe teilnimmt. Bereits 1998 begann das Unternehmen intern Emissionen zu reduzieren und handelte Zertifikate zwischen den Bereichen. Mit Erfolg: Die Emissionen sanken bis 2001 verglichen mit dem Basisjahr 1990 um 10 Prozent. Gleichzeitig konnte BP die Kosten um 650 Mill. Dollar senken – beispielsweise durch einen effizienteren Einsatz der Energie. „Der Emissionshandel kann zum Wettbewerbsvorteil werden“, urteilte Charles Nicholson, der Klimaschutz-Experte der BP-Gruppe.

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