Nach Flughafen-Pleite
Mehdorn will Nachtflugverbot in Tegel lockern

Das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel soll verkürzt werden, fordert Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. Nach der geplatzten Eröffnung des Flughafens Schönefeld versucht die Airline, ihre Flüge nach Tegel zu verlagern.
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BerlinNach dem Debakel um die Eröffnung des Hauptstadtflughafens kommen auf die Anwohner des Berliner Airports Tegel möglicherweise noch größere Belastungen zu. Air Berlin als wichtigster Kunde drängt darauf, das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel einzuschränken. Es solle nur noch von Mitternacht bis 5.00 Uhr gelten - so wie es auch am neuen Flughafen geplant ist.

Inzwischen fordert der erste Politiker, Tegel nicht, wie zunächst geplant, zu schließen, sondern dauerhaft offen zu lassen. „Wenn sich die Rahmenbedingungen für den neuen Flughafen insbesondere hinsichtlich der Kapazitäten dauerhaft grundsätzlich verändern, sollte darüber nachgedacht werden den Flughafen Tegel nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft offen zu halten“, sagte der Wirtschaftsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Frank Steffel, Handelsblatt Online. „Nach dem Planungs- und Bau-Chaos darf es jetzt nicht auch noch ein Betriebs-Chaos geben.“ Den Verantwortlichen riet der CDU-Politiker, durch Ehrlichkeit und Transparenz Vertrauen zurückzugewinnen.  „Das Ziel muss die optimale Anbindung der Region Berlin-Brandenburg sowie die Stärkung des Wirtschaftsstandortes sein“, sagte Steffel.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann plädiert für die Tegel-Variante, allerdings sieht er darin keine dauerhafte Lösung. „Tegel muss natürlich offen bleiben, bis zum gesicherten Start von BBI“, sagte Wellmann Handelsblatt Online. Er sei aber „skeptisch, ob Tegel auch danach genutzt werden kann“. Das habe rechtliche, aber auch betriebliche Gründe, gab Wellmann zu bedenken, weil Umsteigeverkehre wegen der fehlenden Nahverkehrsanbindung nicht möglich seien. „Die Chancen wurden damals bei Tempelhof verpasst“, fügte er hinzu. Diesen Flughafen hätte man aus seiner Sicht für Geschäftsflieger und die Flugbereitschaft erhalten müssen.

Die Landesregierungen Berlins und Brandenburgs stehen derweil unter Druck. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), auch Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, wollte am Nachmittag im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgeben, warum die Eröffnung zum zweiten Mal verschoben werden musste. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will eine Regierungserklärung abgeben - bei einer Sondersitzung des Landtags am 21. Mai.

Die kurzfristige Absage der Eröffnung am 3. Juni könnte auch ein Fall für die Rechnungshöfe werden. So ließe sich prüfen, wie sich der Aufsichtsrat von der Geschäftsführung über das Flughafen-Projekt informieren ließ, sagte der Präsident des Landesrechnungshofes Brandenburg, Thomas Apelt.

Geplatzt war die Eröffnung laut Betreiber, weil die Brandschutzanlage noch nicht reif für die Abnahme durch die Behörden sei. Das Zusammenspiel der Komponenten funktioniere noch nicht einwandfrei. Der TÜV Rheinland hat nach Informationen des „Berliner Kuriers“ (Donnerstag) und der „VDI nachrichten“ bislang noch nicht einmal einen Termin, die Brandschutzanlage am Hauptstadtflughafen zu prüfen. Demnach ist die Anlage baulich noch nicht fertig. Ohne die TÜV-Testate kann der Landkreis Dahme-Spree die Anlage nicht abnehmen.

Die Fluggesellschaften arbeiten nun daran, ihr größeres Angebot am überlasteten Flughafen Tegel unterzubringen. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an Flughafenchef Rainer Schwarz: „Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern.“ So könne die Drehkreuzstruktur für Umsteigeverbindungen ordnungsgemäß abgewickelt werden, heißt es in dem auf den 9. Mai datierten Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Einen neuen Eröffnungstermin gibt es noch nicht. Wowereit und Platzeck hatten am Dienstag gefordert, dass noch im August die ersten Maschinen vom Großflughafen abheben. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mahnte am Donnerstag: „Es geht um einen realistischen und umsetzbaren Termin.“ Flughafen-Chef Schwarz sprach sich gegen politisch gewünschte Termine aus, die technisch nicht machbar seien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Nach Flughafen-Pleite: Mehdorn will Nachtflugverbot in Tegel lockern"

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  • Vielleicht muss man ein grenzenloser Egoist sein, um solche Führungspositionen inne zu haben. Glaubt Herr Mehdorn ernsthaft, dass er die geltende Betriebsgenehmigung für Tegel einfach so mal kippen und damit tausende von Nordberlinern um ihr Schlaf bringen kann? Wenn es ihm tatsächlich gelingt, höre ich auf an die westliche Demokratie zu glauben. Dann näheren wir uns russiche Zustände.

  • Hat Mehdorn eigentlich was zu sagen ? Warum ist der eigentlich immer noch da, der sollte doch nur vorübergehend Air Berlin in die Pleite reiten ?
    Nicht nur, dass er den Anwohnern, die nach jahren endlich mal einen ruhigen Sommer im Garten verbringen wollten, noch Lärm und Dreck bis zu den ersten Schneeflocken bescheren will, er will ihnen nun auch noch die gesetzlich gesicherte Nachtruhe rauben.
    Mittlerweile erstaunt es mich aber nicht, wenn man in unserem "Rechtsstaat" mal fix Gesetze aushebelt, damit irgendwelche Großkonzerne gebauchpinselt werden und natürlich übernimmt auch gern der Steuerzahler die Zahlungen für das Desaster....auch gern bis nächstes Jahr, damit bloß nicht zu viel umgebucht werden muss von Air Berlin und Lufthansa.

  • Wegen Mehdorn werden die Anwohner in TXL jetzt keinen Schlaf finden? Wie krank ist die Welt. Haben wir kein Grundgesetz? Geht jetzt die Wirtschaft vor dem Menschen?

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