Nach Führungschaos
Bahn-Chef Lutz komplettiert seinen Vorstand

Monatelang herrschte Chaos um die Besetzung offener Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn. Jetzt hat sich der Aufsichtsrat auf Sabina Jeschke, Alexander Doll und Martin Seiler als neue Topmanager verständigt.
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DüsseldorfIm Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin, Zentrale des größten deutschen Staatskonzerns, wird schon seit Monaten umgebaut, renoviert und eingerichtet. Der vierköpfige Rumpfvorstand erwartet Verstärkung. Dringend. Doch der 20-köpfige Aufsichtsrat ließ sich Zeit, vertagte sich wegen Meinungsverschiedenheiten mehrfach. Ein Kandidat gab entnervt auf.

Am Freitag endlich der Beschluss: Die 49 Jahre alte Maschinenbauprofessorin Sabina Jeschke wird Digital- und Technikvorständin. Der Telekommanager Martin Seiler (54) folgt dem noch amtierenden Personalchef Ulrich Weber (67) nach. Beide Kandidaten waren eigentlich schon im Oktober  gesetzt. Sie mussten aber warten, weil es Streit um den dritten Posten, den Logistikchef gab.

Der ursprüngliche Wunschkandidat Jürgen Wilder gab daraufhin auf. In letzter Minute springt nun der 47jährige Investmentbanker Alexander Doll ein. Er übernimmt die neu geschaffene Position des Güterverkehrs- und Logistikvorstands.

Zum  Abschluss der Aufsichtsratssitzung erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht: „Die heutigen Personalentscheidungen sind eine wichtige Weichenstellung für die erfolgreiche Zukunft des Unternehmens, um die großen Herausforderungen bei den Themen Digitalisierung, Personal, Güterverkehr und Logistik zu meistern.“

Zweimal hatte Felcht Anlauf genommen, die vakanten Posten zu besetzen. Beide Versuche, neue Vorstände für die Deutsche Bahn zu finden, waren gescheitert. Der Grund: Der Chefaufseher bekam keine Mehrheiten zusammen. Mal grätschte die SPD mit ihrem Wunsch nach mehr Frauen in die Personalauswahl. Mal blockierten die Arbeitnehmer den Logistikkandidaten

Der Bahnvorstand wächst nun auf sechs Köpfe, wobei zwei der Posten, Digitales und Logistik, ausdrücklich Wunsch des ehemaligen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) waren. Dobrindt drängte die Bahn schon seit langem, mehr für die Digitalisierung zu tun.

Die promovierte Physikerin Sabina Jeschke kommt von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, an der sie seit über acht Jahren forscht und lehrt.

An der Fakultät für Maschinenwesen ist sie Direktorin des interdisziplinären Cybernetics Lab, das sich mit dem Einsatz von Informatik und Digitalisierungstechnologien in den Ingenieurwissenschaften befasst. Zu ihren Schwerpunkten gehören die Bereiche „Verkehr und Mobilität“, „Internet der Dinge“, „Robotik und Automatisierungstechnik“ und „künstliche Intelligenz“. Jeschke startet umgehend bei der Bahn. Ihr Büro ist schon eingerichtet.

Der neue Logistikchef  Doll tritt voraussichtlich erst im kommenden Jahr an. Doll ist seit 2013 Deutschlandchef der Investmentbank Barclays  in Frankfurt. Der Diplom-Betriebswirt und gelernte Bankkaufmann arbeitete zuvor bei verschiedenen Banken.

In diesen Jahren hat er immer wieder mit Transaktionen im Transport- und Logistikgeschäft verantwortet. Doll hatte aber auch 2009 die Bahn beim Kauf der britischen Verkehrsgesellschaft Arriva  beraten. Bahnchef Richard Lutz und Doll kennen sich seit mehr als zehn Jahren.

Martin Seiler wechselt von der Telekom Deutschland zur Bahn. Seine Wahl geht auf einen Vorschlag der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zurück. Bei der Telekom ist er seit Juni 2015 Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor und für 70 000 Mitarbeiter verantwortlich, demnächst für 320 000. Seine berufliche Laufbahn begann Seiler 1980 bei der Deutschen Post in Baden-Baden. Nach 15  Jahren Betriebsrats- und Gewerkschaftstätigkeit  zog  Seiler 2003 ins Management der Post ein. Seit 2010 ist er Human Ressource-Direktor bei der Deutschen Telekom. Seiler startet bei der Bahn am 1. Januar 2018 und löst dann den langjährigen Personalchef Weber ab.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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