Nach Germanwings-Absturz
Gewerkschaft gegen Drogentest für Piloten

Ein Pflichtdrogentest für Piloten erhitzt die Gemüter in der Branche: Mit Zufallsdrogenkontrollen für Flugzeugführer will die Europäische Agentur für Flugsicherheit Unfällen vorbeugen. Die Pilotengewerkschaft ist empört.
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FrankfurtDie Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hält die nach dem Absturz eines Germanwings-Jets diskutierten Zufalls-Drogenkontrollen für Flugzeugführer für untauglich. Weder der Konsum noch der Missbrauch von Drogen oder Alkohol stünden nach derzeitigem Kenntnisstand in Zusammenhang mit dem tragischen Unfall, erklärte Cockpit am Montag.

Solche Test würden aber alle Piloten unter Generalverdacht stellen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr wies jüngst noch auf eine anderes Problem hin: Die für die Tests erforderlichen Blut- und Haarproben dürften gar nicht von der Fluggesellschaft durchgeführt werden, sondern nur von staatlichen Stellen, hatte er vorige Woche in Frankfurt gesagt.

Die Gewerkschaft reagiert mit der Stellungnahme auf Vorschläge der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) von Mitte Juli. Die Flugaufsichtsbehörde empfahl im Auftrag der EU-Kommission eine Reihe von neuen Abläufen für die Branche, um nach dem Absturz der Maschine der Lufthansa -Tochter Ende März die Flugsicherheit zu verbessern. Einige der Ideen wie der Ausbau eines Netzwerks zur Unterstützung von Piloten seien sinnvoll, sagte ein Gewerkschaftssprecher. „Nur so kann sichergestellt werden, dass Betroffene sich nicht mehr verstecken wollen, sondern sich rechtzeitig Hilfe suchen.“

Andere Maßnahmen wie die nach dem Unglück eingeführte Zwei-Personen-Regel für das Cockpit seien kritisch zu bewerten. „Ein geplanter Suizid oder Amoklauf eines Piloten lässt sich aller Voraussicht nach auch durch eine zweite Person im Cockpit nicht verhindern.“

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Co-Pilot den Germanwings-Airbus absichtlich gegen eine Bergwand in den Alpen gesteuert. Er befand sich alleine im Cockpit und verriegelte die Tür von innen. Alle 150 Insassen der Maschinen wurden getötet. Der Co-Pilot hatte an Depressionen gelitten und deswegen 2009 seine Pilotenausbildung unterbrochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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