Nach Gewinneinbruch
Metro muss Kraftreserven mobilisieren

Deutschlands größtem Handelskonzern Metro brechen nach Dax-Fiasko die Gewinne weg. Der Konzern kämpft zudem mit der Flaute in Südeuropa. Metro-Chef Olaf Koch muss jetzt den Umbau in der „zweiten Liga“ vorantreiben.
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Düsseldorf
Seit dem Abstieg aus dem Dax versucht Metro-Chef Olaf Koch bei Deutschlands größtem Handelskonzern die Wende zum Besseren einzuläuten. Erhobenen Hauptes, so Koch, „gehen wir in die zweite Liga“. Inzwischen sind einige Wochen vergangen, doch Gründe für Optimismus hat es noch nicht gegeben.

Diesmal ist es das dritte Quartal mit einem Gewinneinbruch, dass die Metro in Atmen hält. Vor allem bei den Großmärkten und Europas größter Elektrohandelskette Media-Saturn brachen die Erträge ein. Und auch die Konsumschwäche in den Krisenländern Südeuropas macht dem Düsseldorfer Konzern zu schaffen.

Olaf Koch, der den Umbau des Handelskonzerns vorantreiben muss, spricht von einer „herausfordernden konjunkturellen Lage“. Bei einem leicht auf 15,9 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz schrumpfte der operative Gewinn (Ebit) im dritten Quartal deutlich auf 346 (Vorjahr: 563) Millionen Euro, teilt der Konzern am Dienstag mit.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn nach Anteilen Dritter von 77 (190) Millionen Euro - im Vorjahr hatten noch umfangreiche Verkäufe von Immobilien den Gewinn in die Höhe getrieben. Die Ertragszahlen blieben damit unter den Erwartungen des Marktes. Von Reuters befragte Analysten hatten bei einem Umsatz von 15,9 Milliarden Euro ein Ebit von 423 Millionen Euro und einen Überschuss von 162 Millionen Euro erwartet.

Koch amtiert erst seit Jahresbeginn und hatte erst Anfang Oktober seine Gewinnziele für 2012 zusammenstreichen müssen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet er nun noch mit einem operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren von rund zwei Milliarden Euro - weniger als noch 2011.

Koch will mit mehr Service und niedrigeren Preisen mehr Kunden in die Großmärkte des Konzerns, in seine Kaufhof- und Real-Filialen sowie zu Media Markt und Saturn locken. Doch die Kampfpreise und die Kosten für Umbau und Service-Offensive lasten auch auf den Margen. Bei den Großmärkten sank das Ebit vor Sonderfaktoren im Quartal um 39 Millionen Euro auf 237 Millionen Euro, bei Media-Saturn schrumpfte es um 68 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro. Das Ziel, den Umsatz gegenüber 2011 zu steigern, bekräftigte Koch erneut.

Um sich etwas mehr finanziellen Spielraum zu verschaffen, könnte der Metro-Chef demnächst sein Sorgenkind Real verkaufen. Entsprechende Gesprächen laufen laut Insidern schon länger mit "einer Handvoll Interessenten". Das betrifft vor allem das Real-Geschäft in Osteuropa und der Türkei, wo die Supermarktkette 108 Filialen betreibt. In Deutschland sind es 312 Standorte.

Die Düsseldorfer hatten Real bereits vor Jahren zur Disposition gestellt, haben aber immer alle Optionen offen gelassen, die neben einem Verkauf und einem Teilverkauf auch einen Verbleib unter dem Dach der Metro umfassten.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte das internationale Geschäft oder Teile davon bis Ende des Jahres zu Geld gemacht werden, hieß es kürzlich in einem Bericht der Wirtschaftswoche (Wiwo). Zuletzt stand der internationale Bereich für rund drei Milliarden Euro Jahresumsatz; in Deutschland kommt Real auf 8,3 Milliarden Umsatz. Damit würde Koch auch Risiken reduzieren, denn die Goldgräberzeiten in Osteuropa sind laut Handelsexperten vorbei. Das liegt zum einen an der demografischen Entwicklung, zum anderen aber auch an der zunehmenden Wettbewerbsintensität, so Boris Planer vom Frankfurter Handelsinformationsdienst Planet Retail gegenüber der Wiwo.

Auch die Euro-Krise dürfte Mittel- und Osteuropa noch eine Weile in der Zange haben – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Nonfood-Geschäft bei Real. „Reals Osteuropa-Geschäft zu verkaufen, um die Kriegskasse zu füllen, wäre nicht die schlechteste Idee“, urteilte Planer.

Auch Wettbewerber Carrefour hatte für das dritte Quartal ein leichtes Umsatzplus vermeldet - und ebenfalls eine weitere Schwäche der Märkte in Italien und Spanien beklagt. Metro musste von Juli bis September in Deutschland ein leichtes Umsatzminus hinnehmen, in den Ländern Westeuropas schrumpften die Erlöse indes deutlich um 5,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

In Osteuropa und Asien konnte Metro dagegen zulegen. Auch für den Rest des Jahres erwartet der Konzern, dass Rekordarbeitslosigkeit und Sparpakete der Regierungen in den Krisenländern Südeuropas die Konsumausgaben dort „erheblich belasten“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

Kommentare zu " Nach Gewinneinbruch: Metro muss Kraftreserven mobilisieren"

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  • ja, da haben Sie Recht, dass die Mitarbeiter nicht bei der Metro einkaufen. Und warum? Weil es alles viel zu teuer ist.
    Gucken Sie sich mal im Bereich Klammoten um,zum Beispiel, wer würde sich da welche kaufen, alles ist letzter Schrott und nicht letzter Schrei

  • Ich habe die METRO-Grosshandelssparte über 20 Jahre von "Innen"
    erlebt.Geführt von Nichthandelsfachleuten,Karrieristen, hat diese Sparte solange einigermaßen überlebt, weil auf der untersten Ebene
    der Hierarchiepyramide versucht wurde , an der Ignoranz von Oben vorbei, ein normales Geschäft durchzuführen - ein Versuch der oftmals zum Scheitern verurteilt war, weil auf die, die den täglichen
    Kundenkontakt hatten, nicht gehört wurde.
    Wenn Mitarbeiter nach Feierabend, trotz Mitarbeiterrabatt lieber bei
    Mitbewerbern einkaufen gehen,dann zeigt das ganz deutlich, das im Unternehmen etwas nicht stimmt.
    Der jetzige Zustand ist also durchaus nicht der "Krise" geschuldet,
    sondern hausgemacht.

  • Warum dieser Riesenladen keine Gewinne mehr haben wird, ist jedem klar, der als "Privilegierter" dort einkaufen "darf".

    Warteschlangen am Eingang zur Ausweiskontrolle(!), mißgelauntes Personal, das sich vor jedem potentiell fragenden Kunden rechtzeitig und erfolgreich abduckt,
    Warteschlangen vor den Zentralkassen etc.

    Von dem überkandidelten Sortiment gar nicht zu reden, wo viele Lebensmittel an der Grenze ihrer Haltbarkeit stehen etc.

    Ich kaufe dort nicht mehr ein.

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