Tuifly muss Reisenden Entschädigung zahlen

Nach Herbst-Flugchaos
Tuifly muss Reisenden Entschädigung zahlen

Massenhafte Krankmeldungen hatten im letzten Herbst bei Tuifly zu Verspätungen und Flugausfällen geführt. Das Amtsgericht Hannover hat entschieden, dass die Airline Kunden für entgangene Urlaubsfreuden entschädigen muss.
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DüsseldorfSchock für den Ferienflieger Tuifly aus Hannover: Anders als bislang vom Management behauptet, muss die Tui-Tochter nun doch Fluggäste entschädigen, die im Oktober 2016 aufgrund eines offensichtlich wilden Streiks ihre Urlaubsziele nicht rechtzeitig erreichten.

Der Rechtsstreit ist allerdings noch nicht entschieden. „Tuifly behält sich vor, in Berufung zu gehen“, sagte ein Firmensprecher. Schließlich seien in der Vergangenheit ähnliche Klagen in Hannover und Nürtingen von den Richtern zurückgewiesen worden.
Jetzt aber entschied Richterin Catharina Erps am Amtsgericht Hannover, dass eine fünfköpfige Familie aus Celle 2000 Euro erhalten soll. Deren Reise war komplett abgesagt worden, weil sich Piloten und Crewmitglieder von Tuifly spontan krank gemeldet hatten, nachdem Pläne über einen Zusammenschluss mit Etihad bekannt geworden waren. Die Familie hatte „entgangene Urlaubsfreuden“ geltend gemacht und ursprünglich sogar 4000 Euro Schadensersatz gefordert. Den Differenzbetrag will man nun beim Reiseveranstalter Tui direkt einklagen.

Auch einem Rentnerpaar aus Bergisch Gladbach bestätigte das Gericht einen Anspruch auf 800 Euro Entschädigung. Ihr Rückflug von Kos nach Deutschland war erst mit vier Stunden Verspätung gestartet. Neben Zinsen muss die Tuifly auch die Kosten des Rechtsstreits übernehmen. Kläger-Anwalt Paul Degott erklärte dazu in Hannover: „Die Entscheidungen haben eine gewisse Signalwirkung.“

Tuifly war während der Flugunterbrechungen für zusätzliche Hotelübernachtungen und Taxifahrten aufgekommen. Der Reiseveranstalter Tui Deutschland erstattete zudem die Urlaubs- und Flugpreise, was ihn nach eigener Auskunft im Winterquartal 22 Millionen Euro kostete. Eine zusätzliche Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung aber lehnte die Gesellschaft ab.

Die Begründung: Die angebliche Krankheitswelle sei juristisch als „außergewöhnlicher Umstand“ zu werten, der rechtlich von der Schadensersatzpflicht befreit ist. Zwar hätten Fluganbieter die Verpflichtung, für Krankheitswellen Vorsorge zu treiben. Bei dem Arbeitsausfall im vergangenen Oktober, der in der Spitze 89 Prozent erreichte, könne aber nicht mehr von einer üblichen Situation gesprochen werden.

Augenscheinlich glichen die Flugausfälle zudem einem Streik. Der aber gilt laut höchstrichterlicher Rechtsprechung als höhere Gewalt und ist damit von der Schadensersatzpflicht ausgenommen. Richterin Erps sah das am Mittwoch anders. Dies alles sei nicht hinlänglich bewiesen, erklärte sie in Hannover.
Für Tuifly steht damit einiges auf dem Spiel. Rund 1000 Verfahren wurden in dieser Sache anhängig, 700 davon allein in Hannover. Eröffnet wurden bislang bundesweit 30 Fälle, zwei davon fielen zugunsten der Kläger aus, zwei weitere führten zum Erfolg von Tuifly. Viele Amtsrichter hätten signalisiert, zeigte sich ein Firmensprecher hoffnungsvoll, dass sie der Linie von Tuifly folgen wollten.

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