Nach juristischen Niederlagen
Uber probt die Charmeoffensive

Uber gilt von Beginn an als Rotes Tuch für die Taxibranche. Und das nicht ganz ohne eigenes Zutun. Der neue Chef von Uber Deutschland unternimmt nun eine Kehrtwende – und schlägt überraschend partnerschaftliche Töne an.

BerlinEs ist schon eine Kunst, sich in so kurzer Zeit so viele Feinde zu machen. Dem umstrittenen Fahrdienstvermittler Uber ist es gelungen - und das weltweit. Doch seit kurzem will das kalifornische Startup „everybody's darling“ sein. In Deutschland versucht Uber mit einer Charmeoffensive, juristische Niederlagen vergessen zu machen. Der jüngste Schritt: Uber präsentiert sich als Partner der Taxifahrer und will ihnen etwa mit UberTaxi eine legale Plattform bieten. Probt das Unternehmen nun die Revolution durch die Hintertür?

Das von den Taxiverbänden scharf attackierte Angebot UberPop ist in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien vom Tisch. In Deutschland wurde der Dienst, der private Fahrer an Fahrgäste per Smartphone-App vermittelt hatte, im April eingestellt. An seine Stelle trat UberX, mit dem das Unternehmen alle rechtlichen Auflagen zur Personenbeförderung erfüllt. Partner sind bestehende Mietwagenunternehmer.

Und es gebe auch keine Pläne für einen Relaunch von UberPop, versichert Christian Freese, der frischgebackene Deutschland-Chef des Unternehmens. Dennoch geht Uber offenbar gegen das am Landgericht Frankfurt erwirkte Verbot vor. Nach Angaben der Genossenschaft Taxi Deutschland ist für Juni 2016 ein Gerichtstermin am Oberlandesgericht für die Berufung von Uber angesetzt.

Vor allem Berufsverbände, aber auch einzelne Taxi-Unternehmer waren teils erfolgreich vor Gericht gezogen. Sie werfen Uber wettbewerbswidriges Verhalten und rücksichtslose Geschäftsmethoden vor. Erst vor gut zwei Wochen demonstrierten hunderte Taxifahrer gegen den Fahrdienstvermittler in Brüssel. Auch deutsche Taxiunternehmen waren dabei. „Wir wollen den Wettbewerb, aber wir wollen ihn zu fairen und gleichen Bedingungen für alle Marktteilnehmer“, sagte Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Frankfurt.

Dass sich Bestimmungen für das Taxigewerbe und für den Personennahverkehr in Deutschland nicht einfach aushebeln oder umgehen lassen, hat Uber bei aller Kritik längst erkannt. Hierzulande ist das Unternehmen nun mit Angeboten wie dem Limousinen-Service UberBlack sowie UberX mit Fahrern mit Personenbeförderungsschein vertreten. Mit UberTaxi will das Unternehmen ganz gezielt traditionelle Taxifahrer für die eigene Plattform gewinnen.

Gerade in Städten wie Berlin gebe es einen großen Bedarf, der von den verfügbaren Taxis nicht mehr gedeckt werden könne, sagt Freese. Die Uber-App ermögliche es Fahrern, ihre Leerzeiten zu verringern. „Damit können alle profitieren“, ist Freese überzeugt. Normal sei für Taxifahrer eine Fahrt pro Stunde, mit der App könne dieser Schnitt auf zwei bis drei Fahrten erhöht werden.

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