Nach Karstadt-Zahlen
Arcandor lockt die Spekulanten an

Die Rückkehr der Warenhaustochter Karstadt in die schwarzen Zahlen führt bei risikofreudigen Anlegern zu einem Run auf die Arcandor-Papiere. Innerhalb eines Tages legten die Aktien der insolventen Einzelhandelsholding um mehr als 61 Prozent zu.
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DÜSSELDORF. Um mehr als 61 Prozent auf 0,26 Euro legten am Montag die Aktien der insolventen Einzelhandelsholding zu. Im Frühjahr 2007 waren sie allerdings noch für knapp 30 Euro gehandelt worden. Analysten warnen vor dem „Zockerpapier“. „Der Aktionär wird nach Abschluss des Insolvenzverfahrens nichts mehr dafür kriegen“, sagt Hans-Peter Wodniok, Handelsexperte des Analystenbüros Fairesearch.

Anteilseigner werden wahrscheinlich leer ausgehen

Als „nachrangige Gläubiger“ waren die Anteilseigner zwar am Montag vom Essener Amtsgericht zur Gläubigerversammlung des einstigen MDax-Konzerns zugelassen. Sie aber werden mit hoher Wahrscheinlichkeit leer ausgehen. Erst wenn sämtliche Rechnungen von Lieferanten, Vermietern, Mitarbeitern und Sozialkassen komplett beglichen sind, dürfen sich auch Arcandors Aktionäre Hoffnung auf Entschädigung machen. Dazu müssten zunächst Forderungen von 15 Mrd. Euro vollständig beglichen werden, wie am Montag auf der Gläubigerversammlung in der Essener Grugahalle bekannt wurde. Doch Verwalter Klaus Hubert Görg erwartet selbst hier nur eine Insolvenzquote im „unteren Promillebereich“.

Nicht einmal der überraschende Turn around der Arcandor-Tochter Karstadt wird einen solchen Betrag annähernd in die Insolvenzkasse spülen. Ob Görg für den aufgehübschten Warenhauskonzern überhaupt so rasch wie gewünscht einen Investor findet, steht in den Sternen.

Für den Käufer nämlich verbirgt sich das Restrisiko in den Gehaltszahlungen. „Sobald der Sanierungstarifvertrag im August 2012 ausläuft, muss sich ein Investor auf deutlich höhere Kosten gefasst machen“, erklärt Rechtsprofessor Sebastian Krause von der Essener Kanzlei KS. Dies aber dürfte Interessenten in dem Anfang kommenden Jahres geplanten Bieterverfahren schrecken.

Einsparungen wandern auf ein Treuhandkonto

Am Wochenende hatte sich Karstadt mit der Gewerkschaft Verdi auf die Grundzüge eines Sanierungstarifvertrags verständigt, der dem Warenhauskonzern in den kommenden drei Jahren Einsparungen von insgesamt 150 Mio. Euro bringen soll. Grundlage ist der bereits im vergangenen Herbst ausgehandelte „Zukunftspakt“, der mit dem Insolvenzantrag Anfang Juni auslief. Er sieht auch jetzt für die 28 000 Beschäftigten eine Reduzierung des Weihnachtsgelds um 75 Prozent vor – und die Streichung des kompletten Urlaubsgeldes.

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