Nach Lokführer-Streik
Bahn will bald „das volle Programm“ fahren

Der bundesweite Lokführerstreik hat am Donnerstagmorgen den regionalen Bahnverkehr vor allem in Ostdeutschland stark behindert – und ein Verkehrschaos auf Deutschlands Straßen ausgelöst. Wie angekündigt beendete die Lokführergewerkschaft GDL ihren Ausstand um 11 Uhr. Doch das bedeutet noch lange keine Rückehr zur Normalität – und schon bald droht wieder Chaos.

HB BERLIN. Ob sie auch am Freitag zu Streiks aufruft, wollte die Gewerkschaft am Nachmittag mitteilen. Die Bahn erwartet, dass sie am frühen Abend wieder „das volle Programm“ fahren kann. Erhebliche Beeinträchtigungen durch den Streik gab es auch in Frankfurt/Main und in München. Trotz des Streiks seien insgesamt aber rund die Hälfte alles Regional und S- Bahnen gefahren, teilte die Bahn mit (Stand 10.00 Uhr).

In Mecklenburg-Vorpommern fielen bis zu 80 Prozent der Nahverkehrszüge aus, sagte das für den Personenverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Bahn, Karl-Friedrich Rausch, in Berlin. Ähnlich sehe es in Brandenburg aus. Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg und Hannover fuhren nach Angaben Rauschs in den Innenstädten im 10- Minuten-Takt und in den Außenbezirken im 20-Minuten-Takt. Rausch sagte, in Nordrhein-Westfalen seien rund 160 Lokführer dem Streikaufruf gefolgt, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen legten demnach 300 die Arbeit nieder.

Der Fernverkehr sei auch während des Streiks planmäßig und pünktlich unterwegs, sagte Rausch. Nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Chemnitz darf die GDL bis auf weiteres nur Züge des Nah- und Regionalverkehrs bestreiken. Die Gewerkschaft will mit dem Arbeitskampf ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal durchsetzen. Das jüngste Angebot der Bahn hatte sie als unzureichend zurückgewiesen und Verhandlungen abgelehnt.

Unterdessen hat die Bahn eine Annäherung an die Forderungen der GDL abgelehnt. „Über die gebotenen zehn Prozent und den eigenen Tarifvertrag hinaus wird es kein neues Angebot geben“, sagte Personalvorstandssprecher Uwe Herz am Donnerstag. Die GDL hatte den jüngsten Vorschlag der Bahn am Mittwoch zurückgewiesen. Nach Darstellung der Gewerkschaft beinhaltet das neueste Angebot nur eine Netto-Gehaltssteigerung von 4,5 Prozent.

Nach Angaben der Bahn gingen am Donnerstag bundesweit rund 1 400 Lokführer in den Ausstand, die meisten von ihnen in den neuen Bundesländern. Es sei unerträglich, dass eine kleine Gruppe von Streikenden versuche, Deutschland lahm zu legen, sagte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch in Berlin. „Die Streiks verfehlen jedoch zunehmend ihre Wirkung: Heute waren bisher bundesweit mehr Reisende und Züge unterwegs als am vergangenen Freitag, dem letzten Streiktag“, betonte er.

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