Nach „mangelhaft“-Bewertung
Ritter Sport plant rechtliche Schritte gegen Warentester

Im Streit um die Kennzeichnung der Sorte „Ritter Sport Voll-Nuss“ plant der Schokoladenhersteller Alfred Ritter ein juristisches Vorgehen gegen die Stiftung Warentest. Entbrannt ist der Streit um ein Aroma in den Tafeln.
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DüsseldorfDie Note „mangelhaft“ für die Schokolade „Ritter Sport Voll-Nuss“ könnte vor dem Richter landen. Der Hersteller Alfred Ritter plant rechtliche Schritte gegen die Stiftung Warentest. Das bestätigte am Montag eine Firmensprecherin gegenüber Handelsblatt Online.

Stiftung Warentest hatte vergangene Woche die Schokolade mit dem negativen Testurteil versehen, da ein Zusatzstoff falsch angegeben worden sei. Die Verbraucherschützer mahnten an, dass das Aroma „Piperonal“ als „natürliches Aroma“ auf der Zutatenliste aufgeführt sei. Dies führte zur Abwertung, da es als Verbrauchertäuschung gewertet wurde. Der Stoff werde nicht in ausreichender Menge für die Lebensmittelindustrie aus natürlichen Ausgangsprodukten gewonnen, so die Stiftung. Daher müsse es sich bei dem gefundenen Piperonal um ein synthetisches Produkt handeln.

Auch eine Versicherung des Ritter-Lieferanten Symrise, wonach es sich um einen natürlichen Aromastoff handele, überzeugte die Tester nicht. Gegenüber Handelsblatt Online sagte ein Symrise-Sprecher am Montag, dass der natürlich gewonnene Stoff um das 30-fache teurer sei als die weitaus gängigere, chemisch hergestellte Variante. Das Unternehmen wolle bei einer möglichen Klage gegen die Stiftung Warentest dem Kunden „den ersten Schuss“ überlassen, stehe aber voll hinter Alfred Ritter. Details zur Produktionsweise des natürlichen Piperonal wollte Symrise aber auch auf Nachfrage nicht preisgeben.

Auch andere Schokoladenhersteller wie Mondelez (Milka) oder Lindt setzen laut den Zutatenlisten ihrer Schokoladentafeln Aroma ein. Meist steht dort „Aroma (Vanillin)“. Dabei handelt es sich um einen chemisch hergestellten Aromastoff. Nur aus Naturprodukten gewonnene Stoffe dürften „natürliches Aroma“ genannt werden, wie es auf Ritter-Sport-Tafeln aufgeführt ist. Verbraucherschützer beklagen schon seit langem gerade bei Aromen falsche Auszeichnungen durch Lebensmittelhersteller.

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Kommentare zu " Nach „mangelhaft“-Bewertung: Ritter Sport plant rechtliche Schritte gegen Warentester"

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  • Es ist schon auffällig, dass ein mehr als doppelt so teures Produkt einer Firma mit mehr als achtfachem Umsatz gewonnen hat. StWT schließt von der verfügbaren Menge des Natur-Aromas darauf, dass es nicht für die gesamte Schokoladenproduktion ausreicht. Daraus zu schließen, dass es auch nicht für die vergleichsweise geringe Produktionsmenge eines Familienunternehmens ausreicht, ist schon recht abenteuerlich. Wurde schon einmal überprüft, ob der Großkonzern, der den Test offensichtlich "gewonnen" hat, beim Ergebnis nachgeholfen hat? Das Vorgehen dieses Konzerns gegen kleine Mitbewerber ist hinlänglich bekannt (Produkt kopieren, schützen lassen und dem Hersteller des Originals die Produktion verbieten lassen).
    Stiftung Warentest sollte sich davor hüten, die bisher noch vorhandene Glaubwürdigkeit leichtfertig zu verspielen.

  • Er ist ein Nachweis, wenn die WELTWEITE Produktion von natürlichem Piperonal nicht ausreichend ist um die gesamte Produktionsmenge von Ritter zu versorgen.
    Offensichtlich kann man natürliches von naturidentischen Piperonal nicht unterscheiden. Trotzdem ist klar, dass bei der Produktionsmenge es unmöglich ist, dass natürliches Piperonal zu 100% verwendet wurde.

  • Bei jedem Test gibt es Spielregeln und nach diesen Regeln wird bewertet. Wenn nun die Firma Ritter daraus ein Getöse macht, dann ist das ziemlich dumm. Es wäre weitaus einfacher, die Auszeichnung zu ändern.
    "Produkt enthält naturidentisches Piperonal" - Fertig.
    Unglaubhaft finde ich es jedenfalls sich nur auf die "Versicherung" des Zulieferers zu verlassen. Wie oft kam es in anderen Fällen schon vor, das der Zulieferer vom Zulieferer vom Zulieferer beliefert wurde und jeder dem Nächsten wie bei der "Stillen Post" etwas zugesichert hat. Am Ende war eben doch nicht das drin, was zugesichert war. Viel anders wird es hier auch nicht sein, das sagt einem intelligenten Menschen schon die Wahrscheinlichkeit.

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