Nach Metro-Vorstoß
Arcandor bangt um Staatshilfe

Mit dem Vorschlag einer "Deutschen Warenhaus AG" aus Kaufhof und Karstadt bringt der Düsseldorfer Kaufhof-Eigentümer Metro seinen Wettbewerber Arcandor in die Zwickmühle. Der Karstadt-Eigentümer hält wenig von einem Zusammenschluss der Warenhäuser - denn gehen die Essener auf das Angebot ein, riskieren sie die dringend benötigte Staatsbürgschaft.

DÜSSELDORF. Staatshilfe nämlich soll es nur geben, wenn sich kein privater Investor findet. So lauten die Förderkriterien. Mit Garantien über 650 Mio. Euro, so offenbarte die Arcandor-Führung am Sonntag ihrem Aufsichtsrat, sollen die Gläubigerbanken zu einem Festhalten an ihrem Engagement bewegt werden. Auch Großaktionär Sal. Oppenheim ist angeblich nur dann zu einer Kapitalerhöhung bei Arcandor bereit, wenn es zu der Bürgschaft kommt.

Für Arcandor mit seinen 51 000 Mitarbeitern allein in Deutschland steht viel auf dem Spiel. Bis zum 12. Juni muss der Konzern für Kreditlinien über 650 Mio. Euro eine Anschlussfinanzierung vorlegen. Ansonsten können Rechnungen nicht mehr bezahlt werden. Zudem hat Konzernchef Karl-Gerhard Eick bereits einen Bedarf über weitere 900 Mio. Euro signalisiert, die er in die Sanierung des notleidenden Konzerns stecken will. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Handels- und Touristikkonzern bei knapp 20 Mrd. Euro Umsatz einen Verlust von 750 Mio. Euro angehäuft.

Entsprechend skeptisch reagierte man am Sonntag bei Arcandor auf den Metro-Vorstoß. "Metro-Chef Eckhard Cordes versucht zu verhindern, dass wir die staatlichen Mittel erhalten", monierten Unternehmenskreise. Offiziell sagte ein Sprecher: "Wir verschließen uns nicht den Gesprächen - auch wenn wir die Sinnhaftigkeit nicht als erwiesen ansehen." Bei Arcandor gibt man zu bedenken, dass durch die Fusion Karstadt-Kaufhof rund ein Drittel aller Filialen geschlossen würde, was Branchenbeobachter als "Blutbad" werten. Auch eine der beiden Hauptverwaltungen stehe dann zur Disposition. Der damit verbundene Arbeitsplatzabbau, glaubt man in Essen, werde Sozialkassen und Fiskus belasten.

Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff hatte diese Lösung allerdings selbst noch bis vor kurzem favorisiert. Einsparungen von bis zu 400 Mio. Euro jährlich seien durch den Zusammenschluss zu realisieren, schwärmte er bis zu seiner Abdankung im Februar 2009.

Der Ex-Bertelsmann-Chef war mit der Rettung des einst unter Karstadt-Quelle firmierenden MDax-Konzerns gescheitert. Mit umfangreichen Firmen- und Immobilienverkäufen hatte er zwar die Kasse aufgebessert, das Geld anschließend aber durch das schleppende Geschäft aufgezehrt. Die Nettofinanzverschuldung blieb mit über zwei Mrd. Euro nahezu konstant auf hohem Niveau. Weil Karstadt nun jedoch zusätzlich hohe Mieten für seine Häuser zahlt, hat sich der Niedergang noch beschleunigt.

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