Nach Streiks
Karstadt will wieder nach Tarif bezahlen

Die angeschlagene Warenhauskette will den Konflikt mit der eigenen Belegschaft entschärfen und wieder zur Tarifbindung zurückkehren. Doch über die Details sind sich Management und Gewerkschaft noch uneinig.
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BerlinNach bundesweiten Streiks der Beschäftigten will der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt nach Gewerkschaftsangaben zur Tarifbindung zurückkehren. Karstadt und Verdi hätten sich auf „wesentliche Bausteine eines gemeinsamen Zukunftssicherungstarifvertrags verständigt“, teilte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Berlin mit. Karstadt war im Mai aus der Tarifbindung ausgestiegen, um Kosten zu sparen.

Mit dem Ausstieg aus der Tarifbindung des Einzelhandels entfielen für die rund 20.000 Beschäftigten des Warenhauskonzerns unter anderem bis 2015 Gehaltserhöhungen, die tarifvertraglich vereinbart sind. Im August, drei Monate nach dem Ausstieg, gab es aber bereits wieder „informelle Sondierungsgespräche“ zwischen Karstadt und Verdi. Die erste Verhandlungsrunde begann Ende September. Sie blieb wie die zweite im Oktober ohne Ergebnis.

Kurz vor Beginn der Verhandlungen überraschte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen mit der Ankündigung, er werde die drei profitablen Luxus-Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München sowie die Karstadt-Sport-Filialen an den österreichischen Investor René Benko verkaufen. Kurz darauf gab es Berichte, Berggruen wolle das Stuttgarter Karstadt-Haus schließen.

Die Beschäftigten reagierten verunsichert, die Gewerkschaft forderte zusätzlich eine Beschäftigungs- und Standortsicherung. Tausende Mitarbeiter beteiligten sich nach Angaben von Verdi im Oktober an Kundgebungen und Protesten, um den Druck auf die Karstadt-Geschäftsführung zu erhöhen. Die dritte Verhandlungsrunde, die am Montag begonnen hatte, brachte nun nach Gewerkschaftsangaben den „ersten konkreten Schritt hin zur Lösung des Konflikts“, wie Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes erklärte.

Der neue Zukunftssicherungstarifvertrag soll nach Angaben von Verdi neben der Rückkehr in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung enthalten. In der Frage der Rückkehrmodalitäten in die Lohn- und Gehaltstarifverträge des Einzelhandels „sind wir allerdings noch weit auseinander“, erklärte Peukes. „Das wird noch eine harte Nuss.“ Er betonte, dass die noch auszuhandelnde Regelung nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen dürfe. Die Verhandlungen sollen im Januar fortgesetzt werden.

Karstadt steckt in der Krise. 2010 war die Kaufhauskette nach der Pleite des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor vom US-deutschen Investor Berggruen übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden. Berggruen versprach, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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