Nach Tarifeinigung
Lufthansa kürzt dem Catering die Gehälter

Mit einem bundesweiten Warnstreik hat die Gewerkschaft Verdi den Flugbetrieb der Lufthansa fast lahmgelegt. Am Mittwoch einigten sich beide Seiten auf einen neuen Tarifvertrag - doch davon profitieren nicht alle Sparten.
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FrankfurtDer hart erkämpfte Tarifabschluss von Verdi mit der Lufthansa hat auch Verlierer: So müssen sich die Beschäftigten der Catering-Sparte LSG auf Einbußen beim Gehalt und längere Wochenarbeitszeiten einstellen. "Es gibt ein Eckpunktepapier, das noch in gültige Tarifverträge überführt werden muss", sagte eine LSG-Sprecherin am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu sei die Zustimmung der großen Tarifkommission von Verdi erforderlich.

Die Vereinbarung umfasst der Sprecherin zufolge drei Punkte: So sollen die Löhne der hiesigen Beschäftigten um drei Prozent gesenkt werden. Zudem werde die Wochenarbeitszeit um 1,5 Stunden auf 39 Stunden erhöht und der Urlaubsanspruch um drei Tage reduziert. Die "Frankfurter Rundschau" hatte als erstes über die Pläne berichtet.

"Sinn und Zweck ist, die Personalkosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu führen", sagte die LSG-Sprecherin. Diese lägen bei den Lufthansa-Rivalen 20 bis 30 Prozent niedriger. Sollte die Verdi-Tarifkommission dem jüngst erzielten Tarif-Gesamtpaket für das Lufthansa-Bodenpersonal zustimmen, würden die Bestimmungen des Eckpunktepapiers Teil eines Tarifvertrages.

Verdi-Vorstand Christine Behle verteidigte in der "Frankfurter Rundschau" die Vereinbarung als "das kleinere Übel". So habe die LSG auch mit einem Wechsel des Arbeitgeberverbandes gedroht, was noch massivere Einbußen gebracht hätte.

Als Kompensation für die Gehaltskürzung seien Einmalzahlungen in Höhe von 600 Euro in diesem und 500 Euro im kommenden Jahr vereinbart worden. Zudem habe man sich auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2020 geeinigt. Die Catering-Tochter beschäftigt weltweit 30.000 Menschen, in Deutschland sind es 5000.

Lufthansa und Verdi hatten sich am Mittwoch auf einen Tarifvertrag geeinigt, der für das Bodenpersonal gestufte Entgelterhöhungen und Kündigungsschutz bringt. Dieser sieht laut Verdi Gehaltssteigerungen zwischen 3,0 bei der Lufthansa AG und 4,7 Prozent bei den Töchtern Technik, Cargo und Systems mit einer Laufzeit von 26 Monaten vor.

Das Ganze steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Verdi-Tarifkommission und einer Mitgliederbefragung bis zum 14. Mai.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Tarifeinigung: Lufthansa kürzt dem Catering die Gehälter"

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  • Wir wollen günstig fliegen und wer bezahlt dann die Menschen die das ermöglichen?

    Anderst als bei den Banken und Staaten kann eine Firma den Euro nur einmal ausgeben.

    Wenn wir den Vorständen die Donationen und Bonis kürzen, was ich als gerechtfertigt empfinde, dann dürfen wir nicht hoffen dass die gewillt sind unserer zu erhöhen.
    Dazu kommt es gibt genügend Menschen die arbeiten wollen und die Arbeit ist nur begrenzt vorhanden.


    Bei uns wurde gestern gestreikt. Von den über 6000 Beschäftigten waren nur sehr wenige mit dabei. Die anderen sind damit mit dem Lohn zufrieden.
    Da gibt es Demos und keiner geht hin. Was für ein Signal für die Vorstände!!!!

  • Toll. Neben den Lohneinbußen durch die lange Laufzeit des Tarifvertrages - Steigerung unterhalb der Inflation - jetzt auch noch woanders direkte Lohneinbußen und Inflation. Ganz toll.
    Wie war das? Deutschland soll endlich die gegenüber den anderen Euroländern in den lezten 12 Jahren gesenkten Löhne auf das Europäische Niveau anheben?
    War wohl nix. Und wird von Verdi als großer Erfolg gefeiert.
    Nicht gegen Gewerkschaften. Aber wir brauchen Starke - und keine Neoliberalen.

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