Nach Tarifeinigung mit der GDL
Bahn liebäugelt mit Preiserhöhungen

Trotz öffentlicher Kritik will die Bahn offenbar die Mehrkosten durch den Tarifabschluss mit der Lokführergewerkschaft GDL zum Teil über höhere Fahrpreise finanzieren. Laut einem Magazinbericht sind auch in anderen Bereichen rigorose Sparmaßnahmen geplant. Bahnchef Hartmut Mehdorn dementiert.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Mehdorn sagte, zwar würden die Lohnsteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Falsch sei aber, „dass in diesem Zusammenhang beispielsweise Produktionsstätten ins Ausland verlagert werden oder gar Unternehmensteile verkauft werden sollen“, sagte Mehdorn laut einer Mitteilung am Sonntag. Weniger klar fiel sein Dementi in Bezug auf die Fahrpreise aus. Erhöhungen seien weder beschlossen noch stünden sie unmittelbar bevor, so der Bahnchef.

Das Magazin „Focus“ hatte berichtet, Mehdorn habe bei der Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums entsprechende Vorschläge präsentiert. Demzufolge will die Bahn trotz öffentlicher Kritik die Mehrkosten der Tarifabschlüsse unter anderem mit Fahrpreiserhöhungen ausgleichen. Vorstandschef Hartmut Mehdorn verlange von seinen Managern eine zusätzliche Kompensation von 350 Millionen Euro jährlich, um die Entgelterhöhungen für Lokführer und andere Berufsgruppen wieder hereinzuholen. Sie werden auf 1,6 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren geschätzt.

Die Bahnspitze sieht dem Bericht zufolge „fünf Hebel“ zur Einsparung vor: An erster Stelle sollen die Fahrpreise erhöht und Zusatzgeschäfte akquiriert werden. Geschäftsfelder, „die bedingt durch Kostensteigerung nicht profitabel zu führen sind“, wolle der Konzern verkaufen. Geplant ist angeblich auch eine Änderung der „bislang praktizierten Konsensorientierung des DB Konzerns gegenüber den Tarifpartnern“.

Die Sparpläne sehen die Verlagerung von Arbeit in Billiglohngebiete des Auslands, die Bildung ausländischer Lokführer-Gesellschaften, Firmenausgründungen und den Verkauf von Unternehmen vor. Mehdorn macht damit Vorstellungen zum Programm, für die er bei der ersten Präsentation zu Jahresbeginn vielfach kritisiert worden war.

Von den Managern wird zudem eine „konsequente Ausgabensteuerung“ bei Aufwendungen und Investitionen verlangt. Obendrein sollen Produktivitätssteigerungen von einem Prozent pro Jahr durch Einsparungen von Personal sowie durch Mehrarbeit im Produktions- wie Managementbereich erreicht werden. Ein Einstellungsstopp ist zunächst nicht vorgesehen.

CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer warnte, ebenfalls im „Focus“, Mehdorn vor der Umsetzung seiner Pläne: „Wer permanent an der Preisschraube dreht, kann schnell seine Kunden verlieren.“ Die Bahnpreise seien heute schon sehr hoch. „Wer als Bundesunternehmen Betriebsteile ins Ausland verlagert, wird in der Politik keine Zustimmung finden.“

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