Nach Tui-Hauptversammlung
Jetzt erst mal in Urlaub

Es war die Nachricht, mit der am Morgen nach dem historischen Aktionärstreffen der Tui nun gar keiner gerechnet hatte: Jürgen Krumnow fährt in Urlaub. Der Aufsichtsratschef, der seit Monaten wegen seiner mangelnden Übersicht bei dem Dax-Konzern in der Kritik steht, war schon am Donnerstag nicht mehr zu erreichen. Wie es nach der Tui-Hauptversammlung weitergeht.

DÜSSELDORF. Ein paar Telefonate noch, ein paar Besprechungen und dann: Urlaub. "Ja, das ist richtig", sagt eine Sekretärin im Büro Krumnow: "Es ist ja Pfingsten."

Der Mann hat Nerven. Mehr als 40 Prozent der Tui-Aktionäre stimmten am Mittwochabend für die Abberufung Krumnows. 40 Prozent - so viel Misstrauen gab es noch nie auf einer Hauptversammlung. Krumnow sitzt seit 2001 im Aufsichtsrat der Tui und amtiert seit 2004 als Vorsitzender. Was bei der Tui schieflief, lief unter seinen Augen schief. Und das war nicht wenig. Seine Reaktion auf die Vorwürfe? Er verreist. Es ist ja Pfingsten.

Der Mann ist offenbar urlaubsreif. Bis kurz vor Mitternacht musste Krumnow im Congress Centrum Hannover leiden. Zwölf Stunden still sitzen und Schmähreden ertragen - das ist kein Vergnügen. Selbst dann nicht, wenn man pro Jahr 408 200 Euro Schmerzensgeld für sein Aufsichtsamt kassiert. Immerhin konnte sich Krumnow nach unzähligen Vorwürfen und noch mehr Fragen von misstrauischen Aktionären am Schluss als (denkbar knapper) Sieger fühlen. Unten im Saal leckten seine Gegner, die Vertreter des aggressiven Großaktionärs John Fredriksen, ihre Wunden. Oben auf dem Podium stand Krumnow - und dachte an Pfingsten.

Sind das nicht die wirklich wichtigen Fragen im Leben: wohin in Urlaub? Kraft seines Amtes bei Tui kann Krumnow auswählen: eine Reise mit der MS Europa? Oder ein Kurzabstecher nach Hawaii? Vielleicht gibt es auch irgendwo ein Containerschiff zu taufen wie neulich in Kuala Lumpur.

Wir wissen nicht, wohin es Krumnow zieht. Unschön wäre auf jeden Fall eine Feriendestination, wo sich wütende Aktionäre tummeln. Seit Tui-Chef Michael Frenzel den Mischkonzern Preussag zu Europas größtem Reisekonzern Tui umbaute, verloren die Aktionäre immerhin rund acht Milliarden Euro. Also bloß vorsichtig sein Ziel wählen. So hat jeder seine Sorgen.

Aber erst einmal ist Pfingsten. Mögen die Anleger noch so toben, mag sich die Presse noch so erregen. Tempi passati! Am Mittwoch, ja, da wirkte Krumnow noch ein wenig blass, ein wenig zittrig, als die Aktionäre einfach nicht lockerließen. Aber wie jede Versammlung ging auch die von Tui schließlich vorbei. Und Krumnow blieb. Und geht jetzt erst mal in Pfingsturlaub.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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