Nach Undercover-Recherche: Zalando geht juristisch gegen RTL-Journalistin vor

Nach Undercover-Recherche
Zalando geht juristisch gegen RTL-Journalistin vor

Mit versteckten Kameraaufnahmen hat eine RTL-Reporterin Missstände in einem Logistiklager des Textilversands Zalando offengelegt. Die Recherche endete in einem handfesten Streit – und einer Anzeige durch den Online-Shop.

DüsseldorfDruck von Vorgesetzten und gesundheitliche Ausbeutung bis an die Leistungsgrenze – was die 21-jährige RTL-Reporterin Caro Lobig im Logistiklager des Textilversands Zalando erlebt hat, erschüttert nicht nur Arbeitsrechtler. Für die Sendung „Extra“ hat die Reporterin drei Monate undercover in einem Logistiklager des Textilriesen gearbeitet. Nach ihren Recherchen soll Zalando massiv gegen das Arbeitsrecht verstoßen haben. Über die Recherchemethode tobt nun ein Rechtsstreit.

Als die Tarnung der Reporterin am 28. März aufflog, sei es zu einem Polizeieinsatz gekommen, bestätigt Zalando – noch am selben Tag habe man eine Anzeige eingereicht. Diese sei am 8. April eingegangen, bestätigt die Staatsanwaltschaft Erfurt gegenüber Handelsblatt Online. Der Vorwurf: Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. „Diese Anzeige halten wir aufrecht. Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind“, sagt Zalando-Sprecher Boris Radke.

Im Gegenzug habe auch die Reporterin gemeinsam mit Verdi eine so genannte Kündigungsschutzklage gegen das Unternehmen eingereicht. „Mitarbeiter, die Missstände öffentlich machen, können nicht mit fristloser Kündigung bestraft werden. Auch um dies zu dokumentieren hat die Reporterin nach juristischer Beratung entsprechende Klage eingereicht“, erklärte RTL-Sprecher Christian Körner gegenüber Handelsblatt Online. Anzeigen wie die von Zalando seien nicht die Regel. Zudem gehe es RTL „aus Sicht unserer Redaktion um Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen das Arbeitsrecht.“

Finanzielle Entschädigung oder Wiedereinstellung seien nicht angestrebt. Der Sender lässt die Reporterin in der Auseinandersetzung nicht allein: „Die Reporterin wird selbstverständlich jede notwendige juristische Unterstützung erhalten“, so Körner. Am vergangenen Donnerstag habe es ein erstes Treffen der Gewerkschaft Verdi mit Zalando in dieser Angelegenheit gegeben, heißt es aus derweil von Zalando.

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  • Großes Lob an die Journalistin für ihre Arbeit!

    Nicht nur in dem oben genannten Fall gibt es Druck und Auswüchse gegen MitarbeiterInnen von Unternehmen.

    Nachdem bei Aldi Süd im letzten Jahr Auszubildende misshandelt wurden, mit Mitteln aus dem Dritten Reich, wäre es bei Zalando schon ein Wunder, wie die Jungfrauengeburt, wenn es dort keine Missstände geben würde.

    Insofern ist es gut und notwendig, wenn JournalistInnen Missstände aufdecken. Selbstverständlich schmecken Unternehmen, besonders in dieser Zeit des Raubtierkapitalismus, Enthüllungen nicht.

    Aber nur durch Enthüllungen lassen sich die Menschenrechte einklagen bzw. wieder einführen. Ausserdem herrscht noch in der Bundesrepublik Deutschland die Meinungsfreiheit und die Informationsfreiheit.

    Auch die Staatsanwaltschaft sollte sich daran halten und lieber gegen das Unternehmen und die dortigen Machenschaften ermitteln, anstatt Unternehmen bei rechtswidrigen Handlungen zu unterstützen!

  • Sie haben irgendwie das Thema verfehlt! Zumal ihre Argumentation auch sinnlos ist. Die Retourenquote ist extrem hoch, die Wahrscheinlichkeit, dass sie Sachen kaufen die schonmal jemand anprobiert hat ist also sehr hoch. Nur, wo liegt das Problem? Im Laden werden die Sachen auch anprobiert. Wenn sie damit ein Problem haben ab in die Waschmaschine und gut ist! Und wie soll der Gesetzgeber einschreiten ihrer Meinung nach? Das Fernabsatzgesetz abschaffen und somit den kompletten Versandhandel lahm legen? Ziemlich sinnfreies Posting ihrerseits.
    Davon mal abgesehen sind die Arbeitsbedingungen tatsächlich ne Katastrophe, letztlich sind die Teamleiter auch nur arme Schweine, bekommen sie wahrscheinlich auch nur Druck von oben. Ich finde es vor allem erstaunlich, dass ein so junges Unternehmen mit vielen jungen Leuten (im Management und Verwaltung) derart schlecht mit seinen MA umgeht. Scheinbar geht denen Wachstum über alles. Der Börsengang wird garantiert kommen und die Samwer-Brüder werden ordentlich Kasse machen.
    Der Beitrag zeigt aber auch etwas anderes deutlich, man sieht mal was der gesetzliche Stundenlohn von 8,50 EUR wert ist... Auch sollte man nicht vergessen, dass in den Logistikzentren viele Langzeitarbeitslose und z.T. Ex-Knackis angestellt sind die sonst keinerlei Anstellung finden würden.

  • Ich glaube Sie haben das falsche gesehen. Es ging um etwas ganz anderes.

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