Nachfrage zog im vierten Quartal spürbar an
Zeitarbeiter sind in Europa wieder gefragt

Die Zeitarbeitsbranche sieht sich in Europa am Ende der Durststrecke. Besonders im letzten Quartal sei die Nachfrage nach Leiharbeitern in allen europäischen Ländern merklich angezogen, sagte Zach Miles, Chef des niederländischen Personaldienstleisters Vedior gestern in Amsterdam. Auch der US-Wettbewerber Manpower verzeichnete nach eigenen Angaben Zuwächse im Europa-Geschäft.

lee AMSTERDAM. Die Zeitarbeitsbranche gilt als Frühindikator für den Arbeitsmarkt, weil viele Firmen am Anfang einer Konjunkturbelebung lieber Zeitarbeitskräfte anheuern als eigene Mitarbeiter. Vedior zufolge zog im Schlussquartal vor allem das Geschäft im angelsächsischen Raum an. In den USA sei der Umsatz um 27 Prozent gestiegen, in Großbritannien um 20 Prozent.

Für das Unternehmen bedeutender war jedoch ein zwar kleiner Zuwachs auf dem französischen Markt, auf dem es aber 44 Prozent seines Umsatzes erzielt. Nach jahrelanger Stagnation stieg der Umsatz dort im Schlussquartal um fünf Prozent.

In Deutschland ist Vedior im Gegensatz zum ebenfalls niederländischen Konkurrenten Randstad kaum vertreten. Nach Angaben der in Frankfurt ansässigen Zeitarbeitsfirma Amadeus Fire, die gestern ihre Geschäftszahlen vorlegte, ist aber im vierten Quartal 2004 auch auf dem deutschen Markt die Nachfrage gestiegen – zumindest nach qualifizierten Zeitarbeitskräften.

Deutschland bleibt nach den Worten von Vedior-Chef Miles wegen seines stark regulierten Arbeitsmarktes aber ein schwieriger Markt für Zeitarbeitsfirmen. „Es wurden zwar erste Liberalisierungsversuche unternommen, aber es ist noch viel zu tun“, sagte Miles.

In Deutschland müssen die Zeitarbeitsfirmen beispielsweise die Leiharbeiter vom ersten Tag an selbst bezahlen. In den Niederlanden erhält der Zeitarbeiter sein Gehalt von der Firma, bei der er eingesetzt wird. Kündigt diese den Vertrag, muss die Zeitarbeitsfirma ihn nicht weiter bezahlen. Erst wenn ein Arbeitnehmer länger als anderthalb Jahre über einen Personaldienstleister verliehen wird, muss dieser ihm einen festen Vertrag geben.

Während die Nachfrage nach Produktionsmitarbeitern bereits im zweiten und im dritten Quartal angezogen war, waren nach Vedior-Angaben im Schlussquartal zunehmend auch Ingenieure und Informatiker gefragt. Rückläufig sei dagegen das so genannte Outplacement-Geschäft gewesen. Dabei beauftragt ein Konzern, der Stellen abbaut, das Unternehmen damit, hochqualifizierten Mitarbeitern bei der Suche nach einem Job zu helfen.

Wie alle großen Zeitarbeitsfirmen versucht Vedior, sich verstärkt auf die Vermittlung von qualifizierten Arbeitskräften zu spezialisieren. „Wenn man Verträge für Produktionsmitarbeiter und Hilfskräfte aushandelt, sind die Gewinnspannen klein und man muss seinem Geld lange hinterher rennen“, sagt Miles. Derzeit sind aber noch 68 Prozent der von Vedior vermittelten Arbeitskräfte gering qualifiziert. „Langfristig wollen wir die Quote der Fachkräfte auf etwa 70 Prozent bringen, aber das ist nicht in den nächsten drei bis fünf Jahren zu erreichen“, sagte der Vedior-Chef.

Trotz der jüngsten Geschäftsbelebung weist Vedior für 2004 zum vierten Mal in Folge einen Verlust aus. Der Fehlbetrag im vierten Quartal lag mit 36 Mill. Euro sogar leicht über den Erwartungen der Analysten. Sie hatten nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt mit einem Verlust von 35 Mill. Euro gerechnet. Im gesamten Geschäftsjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um acht Prozent auf 6,47 Mrd. Euro und verbuchte einen Verlust von 151 Mill. Euro.

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