Nachgefragt: Dieter Brandes
„In der Marge von Aldi ist noch Luft“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Dieter Brandes, Berater für Discountstrategien und ehemaliger Geschäftsführer und Verwaltungsrat bei Aldi Nord.

Aldi und Lidl senken ihre Preise drastisch, sind das Verzweifelungstaten?

Nein. Über diese Dinge wird viel zu viel oberflächlich spekuliert. Schon jetzt kaufen 80 bis 90 Prozent aller Familien bei Aldi ein. Woher sollen da noch riesige Steigerungsraten kommen?

Trotzdem erhöhen die Discounter ihre Werbeausgaben.

Die Werbung wird bestimmt durch Nonfood-Aktionen. Sie soll Artikel bekannt machen, die sie nur zeitlich begrenzt führen.

Wie kompensieren Aldi und Co. die Preissenkungen?

Wahrscheinlich geht dies zu Lasten der Marge. Aber es erhöht gleichzeitig den Umsatz, so dass das Ergebnis sogar noch besser werden könnte. Wenn ich mir die Gewinnmarge von Aldi anschaue, kann ich nur sagen: Da ist noch Luft genug. Aldi hat nie das Ziel gehabt, einen bestimmten Umsatz oder Gewinn zu machen. Das einzige Ziel lautet, stark am Markt zu sein.

Ist die Ausweitung des Sortiments bei Aldi eine gute Idee?

Das Erfolgsmodell der Discounter ist die Einfachheit der Geschäftssysteme und die konsequente Beschränkung des Angebots. Wenn man zusätzliche Dinge wie Backstationen anbietet, kann man solche Grenzen auch schon einmal überschreiten. Aber das geht bei Aldi nach der Methode „Versuch und Irrtum“.

Und wie sieht es bei Nonfood-Artikeln aus?

Plus hat es schon mit Einfamilienhäusern und Hochzeitsausstattungen versucht. Ich fürchte allerdings, dass sich Aldi mit dem Verkauf von Fahrrädern und anderen Artikeln ein Qualitätsproblem ins Haus geholt hat, Reklamationen nehmen zu. Hier verlässt das Unternehmen den Pfad der Tugend, der lautet, nicht allen Verlockungen gleich zu folgen.

Edeka will nun Druck auf Lieferanten machen, die Discounter mit ihren Top-Sellern beliefern.

Wenn die geballte Macht von Edeka, Rewe und anderen den Lieferanten so etwas sagt, könnte das Erfolg haben. Kartellrechtlich wäre das aber bedenklich. Edeka sollte sich lieber fragen, wozu sie ihren Kunden eine Auswahl von 30 Sorten Toilettenpapier bieten muss. Die führen sie nämlich nur, weil ihnen die Lieferanten entsprechende Werbekostenzuschüsse versprechen. Discounter entscheiden dagegen selbst über ihr Sortiment.

Die Fragen stellte C. Schlautmann.

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