Nachgefragt: Dieter Schneiderbauer, Touristikexperte der Unternehmensberatung Mercer Management
„Auch LTU in schwieriger Lage“

Dieter Schneiderbauer, Touristikexperte der Unternehmensberatung Mercer Management, rechnet nicht damit, dass es für Aero Lloyd eine Auffanglösung geben wird. Klar ist für ihn: Die Konkurrenz für die Ferienflieger wächst weiter.

Wie überraschend kommt die Pleite von Aero Lloyd aus Ihrer Sicht?

In der Reisebranche darf das Aus eigentlich niemanden überraschen, weil das Geschäft von Aero Lloyd schon seit Jahren auf der Kippe steht. Der Fluglinie fehlt zum einen die Anbindung an einen großen Reisekonzern, der einen wesentlichen Teil der Auslastung garantieren könnte. Außerdem verfügt sie nicht über eine Kostenstruktur, die mit der einer Air Berlin vergleichbar ist.

Sehen Sie trotz des Insolvenzverfahrens noch eine Überlebens- chance für Aero Lloyd?

Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es eine Auffanglösung geben wird. Erstens, weil die Krise in der Reiseindustrie tiefer und nachhaltiger ist als erwartet. Eine durchgreifende Erholung ist noch immer nicht in Sicht. Außerdem wird die Konkurrenz durch Billigflieger rund ums Mittelmeer im nächsten Jahr noch sehr viel größer.

Welche Auswirkungen hat diese Pleite auf die Branche?

Der Ausfall von Aero Lloyd sowie die signifikanten Sparmaßnahmen der anderen Wettbewerber werden für eine tief greifende Reduzierung der Überkapazitäten im Flugbereich sorgen. Für Konkurrenten wie Air Berlin, aber auch für Thomas Cook und Hapag-Lloyd ist die Aero-Lloyd-Pleite in jedem Fall eine gute Nachricht. Das nächste Jahr dürfte nun etwas ruhiger werden, sofern der Markt nicht durch externe Faktoren wie zum Beispiel Terroranschläge auf Touristenziele weiter gebremst wird.

Bleibt auch der LTU mitten in ihrer Sanierung nun ein bisschen mehr Luft?

Von den verbliebenen Carriern im Ferienfluggeschäft ist die LTU gewiss in der schwierigsten Lage. Auch der jüngste Wechsel auf dem Chefposten ist kein Zeichen dafür, dass LTU auf der Erfolgsroute fliegt. Dagegen hat sich der Schritt von Air Berlin und Germania, sich aus dem Chartergeschäft zu verabschieden und verstärkt mit Billigflügen zu operieren, als richtig herausgestellt.

Kann sich denn kein Investor für den Tourismus begeistern?

Zurzeit offensichtlich nicht. Wer investiert schon in einen nach wie vor schrumpfenden Markt mit schwachen Margen und hohen Überkapazitäten? Zudem ist das Fluggeschäft sehr kapitalintensiv.

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