Nachgefragt: Jochen Rölfs, Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs-Partner
Adecco: „Die Kontrolle hat funktioniert“

Die Verschiebung der Bilanzvorlage ist nach Ansicht des Chefs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs-Partner, Jochen Rölfs, ein Indiz dafür, dass das Finanz- und Rechnungswesen nicht unbedingt „state of the art“ ist. Doch zugleich sei die Aussage, es fehle das Testat der Prüfer ein Hinweis, dass deren Kontrolle funktioniere.

Was signalisieren die Vorgänge bei Adecco?

Vermutlich gibt es Probleme mit den Einzelabschlüssen in manchen Ländern, vielleicht Diskussionen darüber, wie Rückstellungen berechnet werden sollen. Natürlich ist das Ganze ein Indiz dafür, dass das Finanz- und Rechnungswesen nicht unbedingt „state of the art“ ist.

Wie dramatisch sehen Sie die Situation?

Jedenfalls würde mich der Hinweis, dass die Vorlage des Abschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, unruhig machen. Das deutet darauf hin, dass ein gravierendes Problem vorliegt. Normalerweise haben solche Unternehmen den Anspruch, ihre Zahlen bald nach Jahresende vorzulegen, und beweisen bei ihren Quartalsergebnissen, dass sie das können. Wenn jetzt der Hinweis kommt, dass es in mehreren Ländern Probleme gibt, muss man sich fragen, was vorgefallen ist – und ob die letzten Quartalsabschlüsse in Ordnung waren.

Sind denn wieder die Wirtschaftsprüfer schuld?

Wenn die Firma sagt, ich kann den Abschluss nicht vorlegen, weil der Prüfer ihn nicht testiert, dann ist das doch ein Hinweis darauf, dass die Kontrolle durch den Wirtschaftsprüfer funktioniert.

Wie vorher schon Ahold, verweist Adecco auf Probleme bei der US-Tochter. Warum immer die USA?

Es zeigt sich, dass der Glaube an den perfekten Jahresabschluss nach US-Gaap und die vorbildlichen Regeln der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ein Scheinglaube ist. Positiv ist auf jeden Fall, dass die Prüfer wesentlich sensibler dafür geworden sind, was sie noch akzeptieren können.

Das ist zweifelsfrei feststellbar?

Ja, bei den großen, internationalen Prüfungsgesellschaften ist man jetzt allerdings übersensibel, da geht ja nichts mehr ohne die Grundsatzabteilung. Der Prüfer vor Ort ist nicht mehr verantwortlich; viele Vorgänge gehen zur Entscheidung bis in die USA. Das resultiert aus der großen Angst vor der Haftung.

Die Wirtschaftsprüfer brauchen keine zusätzlichen Kontrollen?

Das Vorhaben, bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Kontrollinstanz aus Privatpersonen einzurichten, ist vernünftig. Man kann sich der Tatsache nicht verschließen, dass es Probleme gegeben hat.

Die Fragen stellte Hans Eschbach, Handelsblatt

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