Nachgefragt: Karl Born
„Rabatte bergen zwei Gefahren“

Herr Born, heute startet in Berlin mit der ITB die weltgrößte Tourismusmesse. Wo steht die Branche nach schweren Jahren, in denen Krieg und Krisen das Geschäft vermiesten?

Sie hat Grund, optimistisch zu sein. Sie ist auf dem Weg zurück in die Normalität.

Zurück zu den goldenen Boomjahren, wie es sie vor den Anschlägen des 11. September 2001 gab?

Nein, den Stand von 2001 hat man noch nicht wieder erreicht. Dazu ist zu viel Geschäft in den letzten Jahren verloren gegangen. Außerdem gibt es doch erhebliche Verschiebungen in den touristischen Märkten.

Welche?

Das Marketing hat sich verändert. Die Veranstalter locken ihre Kunden heute in hohem Maße mit Frühbucherrabatten, zeitig ihre Reise zu buchen. Das ist vom Ansatz her ein guter Weg. Doch er birgt zwei Gefahren. Erstens: Die Rabatte wurden zum wichtigen Wettbewerbsargument, und so dürften sie bei manchem Veranstalter die Ergebnisse weit über das Maß hinaus belasten, das die sich leisten können. Zweitens: Je weiter sich die Frühbucherpreise von den Normalpreisen entfernt haben, desto schwieriger wird es, nach Ablauf der Rabatt-Fristen Kunden zu gewinnen, die noch bereit sind, den vollen Katalogpreis zu zahlen.

Welchen Stellenwert hat die Pauschalreise noch im Feriengeschäft?

Nach wie vor einen sehr hohen. Prognosen vom vermeintlichen Ende der Pauschalreise gehen vollkommen an der Realität vorbei. Man sollte Aussagen nicht verallgemeinern, denn im Tourismus segmentiert sich der Markt immer stärker und braucht folglich mehr individuelle Lösungen.

Aber es werden weniger Pauschalreisen gebucht.

Das ist richtig. Vielleicht müssten die Veranstalter, die sich in der letzten Zeit mit Themen wie Billigfliegern, Baustein-Touristik und Hotelportalen beschäftigt haben, verstärkt wieder für die Vorteile der Pauschalreise werben. Ein komplettes Urlaubspaket im Reisebüro zu buchen ist und bleibt nun einmal die komfortabelste Art der Ferienreise. Es muss etwas am Image der Pauschalreise getan werden: Sie ist nichts Minderwertiges, genauso wie es nichts Negatives ist, die „Lindenstraße“ zu gucken.

Die Fragen stellte Eberhard Krummheuer

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