Nachgefragt: Klaus Laepple
Klaus Laepple: „Reisebüros können freier entscheiden“

Handelsblatt: Herr Laepple, die Airlines streichen die Provisionen beim Ticketverkauf – lohnt es sich noch, ein Reisebüro zu betreiben?



Laepple: Nicht für den, der großes Geld schnell verdienen will. Die Umsatzrendite in unserer Branche liegt unter einem Prozent. Doch die so genannte Nullprovision wird nichts dramatisch verändern. In erster Linie ist sie nur eine versteckte Preiserhöhung: Der Kunde muss künftig zusätzlich das Service-Entgelt für die Ticketbuchung zahlen.

Was ändert sich für die Büros?


Bisher liegt der Lufthansa-Anteil bei den Ticketverkäufen bei 60 Prozent, innerdeutsch bei 90 Prozent. Die Büros sind künftig freier in ihrer Entscheidung, welche Fluggesellschaft sie ihrem Kunden anbieten. Es wird ein Umdenkungsprozess im Hinblick auf Billigflüge geben. Denn mit den Provisionen fallen auch Prämien der Lufthansa für die Reisebüros weg – und damit ein Anreiz, dort das Ticket zu ordern.

Der DRV hat vor einem Reisebürosterben gewarnt. Wie viele müssen aufgeben?


In den USA sind nach Einführung der Nullprovision 55 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Mit einer Entwicklung in dieser Dramatik rechne ich hier nicht. Die großen Reiseveranstalter haben nach wie vor Vergütungssysteme auf Provisionsbasis. Und die komplette Urlaubsreise ist und bleibt unser Kerngeschäft.

Auch im Zeitalter der Internet-Buchungen?


Auch Reisebüros haben Online- Anschluss, viele verfügen über eigene Buchungsfunktionen. Es besteht für den Kunden kein Grund, sich selbst am Bildschirm durch die Angebote zu quälen. Für Veranstalterreisen oder Mietwagenbuchungen gibt es ja kein Service-Entgelt.

Auch die Bahn will die Provisionen zumindest kürzen.

Der Verkauf von Bahntickets ist defizitär und nur über Quersubventionen darzustellen. Sollte die Bahn Kürzungen durchsetzen, werden viele Büros ihre Bahnabteilungen aufgeben. Da die Bahn ihren Eigenvertrieb ausdünnt, würde sie ihre flächendeckende Präsenz gefährden.

Was empfehlen Sie Ihrer Branche in der derzeitigen Situation?


Lufthansa-Aktien kaufen. Die Lufthansa spart von morgen an jährlich 200 Mill. Euro an Provisionszahlungen. Das kann den Kurs doch nur beflügeln.

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