NACHGEFRAGT: MANFRED SCHOLLE
„Der Teufel steckt im Detail“

Das Handelsblatt befragt den Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Manfred Scholle, zum neuen Gasmarktmodell.

Herr Scholle, der Monitoring-Bericht, der die Grundlage für die künftige Regulierung bildet, beschreibt den Stand der Liberalisierung auf dem Gasmarkt äußerst kritisch. Gibt es denn überhaupt Wettbewerb?

Viele Kunden aus Industrie und Gewerbe haben ihre Verträge schon nachverhandelt, immer häufiger werden Lieferanten gewechselt. Auch beim Gastransport funktioniert der Wettbewerb. Die Zahl der zur Nutzung fremder Gasnetze geschlossenen Durchleitungsverträge ist gegenüber den Vorjahreszahlen um etwa 150 Prozent gestiegen.

Das Ministerium schlägt ein neues System für den Zugang zum Gasnetz vor. Es sollen Regelzonen eingerichtet werden, in denen ein Gashändler nur bei der Einspeisung und der Entnahme bezahlen muss. Ist es für die Branche akzeptabel?

Die wesentlichen Punkte sind im Monitoring-Bericht ja noch gar nicht geklärt. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass das Ministerium betont, dass die Praxistauglichkeit und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden müssen. Vor allem aber müssen die Eigentumsrechte der Unternehmen an ihren Netzen respektiert werden.

Ist die Einrichtung von Regelzonen denn überhaupt praktikabel?

Der Teufel steckt im Detail. Wir prüfen gerade verschiedene Netzzugangsmodelle, auch in ihren Details. Hierzu stehen wir in einem kontinuierlichen und konstruktiven Dialog mit dem Wirtschaftsministerium.

Warum funktioniert denn im Ausland, zum Beispiel Großbritaninen, ein solches Modell?

Die Märkte sind nicht miteinander zu vergleichen, die Struktur unseres Netzes ist eine vollkommen andere. In Großbritannien gibt es nur einen Netzbetreiber, in Deutschland über 700. In Großbritannien gibt es keine Konkurrenz unter den Betreibern, in Deutschland gibt es Leitungswettbewerb. In Großbritannien wird kaum Gas importiert, in Deutschland zu 80 Prozent.

Wo liegen weitere Knackpunkte für die künftige Gestaltung des Netzzugangs?

Es muss bedacht werden, dass es in Deutschland unter den Leitungsanbietern eine lebhafte Konkurrenz gibt, die das neue System erhalten muss. Im Ruhrgebiet beispielsweise haben wir fünf Leitungen nebeneinander. Die Konkurrenz der Netzanbieter kommt doch gerade dem Verbraucher zu gute. Ferner muss gewährleistet werden, dass es keine Engpässe bei der Gasdurchleitung gibt. Hierfür brauchen wir eindeutige Regelungen. Und vor allem müssen die Unternehmen noch einen Anreiz haben, in ihre Netze zu investieren. Nur so kann die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Welche Möglichkeiten hat denn die Branche noch, auf den Prozess einzuwirken? Die Verhandlungen auf Verbandsebene sind doch gescheitert...

Die Gespräche sind von den Industriekunden abgebrochen worden. Der Monitoring-Bericht lässt aber die Tür offen, dass einvernehmliche Lösungen der Marktteilnehmer im weiteren Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden.

Die Fragen stellte Jürgen Flauger.

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