Nachgefragt: Patrick Degorce
„Konsolidierung ist gut“

Was sind Ihre weiteren Pläne für die Deutsche Börse?

Wir hoffen, dass wir noch heute mit Aufsichtsrat Rolf Breuer reden können. Wir können uns das vorgeschlagene Nominierungskomitee gut vorstellen. Breuer zufolge soll der Übergang sechs Monate dauern. Wir hoffen, dass es schneller geht.

Wer wird Breuer nachfolgen?

Wir haben eine Liste mit Namen vorgelegt. Friedrich Merz könnte ein guter Vorsitzender sein. Als Vorstand muss man Transaktionen unterstützen, muss mit Brüssel verhandeln. Jemand mit politischer Erfahrung kann nicht schlecht sein.

Wie soll der neue CEO aussehen?

Es muss jemand sein, der den Handel kennt – vor allem die Derivateseite. Er muss die Bedürfnisse der Kunden verstehen. Und er muss es besser als das frühere Management schaffen, die richtigen Partner in Europa oder außerhalb zu finden.

Seit wann interessiert sich TCI für die europäische Konsolidierung?

Es ist falsch, dass wir die Konsolidierung in Europa verhindern wollen. Wir sind nicht dagegen, dass sich die Deutsche Börse mit Partnern verbündet. Wir haben immer gesagt: Es ist gut, so lange es Aktionären Wert verschafft. Es war nicht die Tatsache, dass Seifert die LSE wollte. Es war der Preis von 5,30 Pfund.

Ihr Widerstand könnte der Euronext den Zuschlag geben.

Das glaube ich nicht. Dieser Preis zeigt nur, dass die LSE nicht zum Verkauf bereit ist. Die Aktionärsstruktur von Euronext und Deutscher Börse ist die Gleiche. Es würde mich überraschen, wenn bei den Franzosen nicht die gleiche Logik gelten sollte wie bei den Deutschen. Wenn die Synergie-Effekte höher sind, muss man darüber reden. Ob es sich lohnt, muss das Management den Aktionären erklären.

Was halten Sie von der Kombination Euronext mit Deutsche Börse?

Das wäre phantastisch. Vom Geschäftsmodell her würden beide zusammen passen, auch wenn es von den regulatorischen Aspekten schwierig wäre. Es wäre sinnvoller als eine teure Übernahme der LSE. Ein solches Modell zu erarbeiten, ist die Aufgabe eines neuen CEO.

Verlangen Sie die Abspaltung von Clearstream?

Ich habe da keine Meinung. Es gibt positive und negative Aspekte bei einem vertikalen Silo von Handel, Abrechnung und Abwicklung. Einen positiven zeigt die Chicago Mercantile Exchange. Hier vertrauen die Kunden dem Management. Anders in Frankfurt: Die Börse hat im vergangenen Jahr die Kosten im Handel gesenkt, aber in der Abrechnung erhöht. Der Nachteil jedes Silo-Ansatzes ist die hohe Kapitalanforderung. Auch muss man fragen: Was passiert, wenn Brüssel in fünf Jahren die Abspaltung fordert?

Kritiker werfen Ihnen vor, sie wollten die Börse plündern.

Wir halten acht Prozent der Aktien, welches Interesse haben wir daran? Wir glauben, dass eine fundamentale Diskrepanz zwischen dem aktuellen Kurs und dem Wert der Börse besteht. Ich glaube: Die Deutsche Börse ist eines der besten Unternehmen in Europa und mehr wert als 60 Euro, mindestens 80.

Die Börse hat der Mann geschaffen, den Sie geschasst haben.

Die Volumina sind nicht so stark gestiegen wie in London. Die Handelssoftware gilt als veraltet. Seifert hat kein schlechtes Haus hinterlassen. Er hat aber nicht die Firma gebaut, die er hätte bauen können.

Patrick Degorce ist Partner des Hedge-Fonds TCI.

Die Fragen stellte Felix Schönauer.

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