Nachgefragt: Thomas von Sturm
„Preiswahn auf Kosten der Sicherheit“

Thomas von Sturm ist Präsident der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit und spricht im Handelblatt-Interview über mögliche Sicherheitsrisiken, die sich aus dem Kostendruck ergeben, der von den Billiganbietern ausgeht.

Statistiken belegen, dass der Flugverkehr in den vergangenen Jahren sicherer geworden ist. Sind die Zahlen trügerisch angesichts der jüngsten Katastrophen in Sizilien, Griechenland und Venezuela?

Es gibt aus meiner Sicht zwei gegenläufige Bewegungen: Die technische Ausstattung der Flugzeuge wird von Jahr zu Jahr besser und damit sicherer. Auf der anderen Seite hat der enorme Kostendruck in der Branche dazu geführt, dass Ausbildung, Qualifikation und Wartung schlechter geworden sind.

Immer mehr Airlines werben mit Schnäppchenreisen – neuerdings auch ihr Arbeitgeber Lufthansa. Ist fliegen zu billig geworden?

Definitiv ja. Die meisten Verbraucher wissen inzwischen, dass Unternehmen mit 19-Euro-Tickets kein Geld verdienen können. Das Kerosin dafür reicht nicht viel weiter als bis zum nächstgelegenen Flughafen.

Aber Unternehmen wie Ryanair oder Easyjet verdienen Geld, weil sie ihre Kosten eisern unter Kontrolle halten. Und deren Sicherheitsbilanz ist sauber.

Der Kostendruck, der von Billigfliegern ausgeht, erhöht aber die Gefahr, dass immer mehr Unternehmen an Stellen sparen, von denen man tunlichst die Finger lassen sollte. Der Preiswahn geht auf Kosten der Sicherheitskultur.

Was versteht ein Pilotenvertreter unter Sicherheitskultur?

Eine Kultur der offenen Kritik im Unternehmen. Wenn Kritik nicht erwünscht ist, werden Mängel nicht aufgedeckt. Und wenn das Management auf Kritik mit Gegendruck reagiert, wird es gefährlich. Dann werden Mängel vertuscht.

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