NACHGEFRAGT: ULRICH SCHULTE-STRATHAUS
„Der Kunde treibt die Entwicklung“

Das Handelsblatt sprach mit Ulrich Schulte-Strathaus von der Association of European Airlines.

Nach Jahren des Stillstands kommt die Konsolidierung unter den Fluggesellschaften plötzlich in Gang. Woran liegt das?

Wir erleben eine Entwicklung, die vom Kunden vorangetrieben wird. Er erwartet auf der einen Seite preisgünstige Flugtransporte von A nach B. Er erwartet aber auch Anschlussverbindungen in einem weltweiten Netzwerk – den Service inklusive. Diese Kundenbedürfnisse können Airlines aber nur befriedigen, wenn sie eine entsprechende Größe haben. Insofern ist eine Konsolidierung der Branche unausweichlich.

Reichen Allianzen dafür nicht mehr aus?

Allianzen sind nach wie vor eine gute Lösung. Aber im Abschwung hat sich gezeigt, dass derartige Partnerschaften intensiviert werden müssen. Nur fusionsähnliche Zusammenschlüsse eröffnen zusätzliche Kostensenkungspotenziale – vor allem, weil die Netzwerke der Partner-Airlines straffer aufeinander abgestimmt werden können. Solche Abstimmungen sind aus der Natur der Sache heraus grenzüberschreitend geboten.

Welche Reaktion erwarten Sie von den Wettbewerbsbehörden im Fall Air France und KLM?

Ich denke, die Kommission wird die sich abzeichnende Konsolidierung unterstützen. Bislang hat sie stets einzelne Flugstrecken als relevanten Markt beurteilt. Das ist angesichts der Internationalisierung der Branche nicht mehr zeitgemäß. Die Kommission ist gehalten, ihrer Beurteilung die Marktrealitäten zu Grunde zu legen: Es geht um Netzwerke, nicht mehr um Einzelstrecken.

Erwarten sie demnach eine baldige Fusionswelle?

Nein, denn zusätzlich brauchen wir für die Nordatlantik-Routen erst einmal einen neuen Ordnungsrahmen, der derartige Fusionen nicht behindert. Diese Verhandlungen werden aber voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern, weil es um eine neue Ära in der internationalen Luftfahrt geht. Eine Fluggesellschaft muss künftig den Freiraum haben selbst zu entscheiden, ob sie eigenständig bleibt, in eine Allianz eintritt oder eben mit anderen Unternehmen fusioniert. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Können kleinere Fluggesellschaften in diesem Szenario überleben?

Eindeutig ja. Angesichts der Diversität des europäischen Luftverkehrs wird es in zahlreichen Nischenmärkten weiterhin hochspezialisierte Anbieter geben.

Die Fragen stellte Matthias Eberle.

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