Nachhaltigkeit
Aldi und die sieben Siegel

Der Discounter wird zum Volksaufklärer: In einfachen Worten führt Aldi in einer Broschüre durch den Dschungel der Nachhaltigkeitssiegel. Zugleich ist die Kampagne jedoch auch ein Versuch, dem Preiskampf zu entkommen.

DüsseldorfEs klingt wie eine Folge aus den Krimiserien der Jugendbücher von „Fünf Freunde“ oder TKKG“: „Auf den Spuren der 7 Siegel“, heißt es im Titel der Broschüre geheimnisvoll. Doch schnell wird klar, dass es hier um handfeste geschäftliche Interessen geht. Denn in der oberen linken Ecke prangt das Logo von Aldi Süd.

In einer großangelegten Kampagne, die sich besonders an junge Kunden wendet, macht der Discounter Werbung für die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel – von Bio über Fairtrade bis zu weniger bekannten Labels wie UTZ oder PEFC. „Ein Bio- oder Fairtrade-Siegel wird noch schnell erkannt, doch bei vielen anderen Labeln bestehen Unsicherheiten, wofür sie im Einzelnen stehen. Das möchten wir mit unserer ‚7 Siegel‘-Kampagne ändern“, erklärt Ralf-Thomas Reichrath, stellvertretender Geschäftsführer im Zentraleinkauf bei Aldi Süd.

Die Aktion reiht sich ein in weitere Kampagnen, mit denen sich Deutschlands größter Discounter beim Umweltschutz und im Bereich „gesunde Lebensmittel“ profilieren möchte. So hat Aldi beispielsweise seinen Lieferanten seit Anfang des Jahres den Einsatz bestimmter bienentoxischer Wirkstoffe beim Anbau von deutschem Obst, Gemüse und Kartoffeln verboten. Außerdem wird im Laufe des Jahres bei allen Eigenmarken komplett auf nachhaltigen Kakao umgestellt. Darüber hinaus ist Aldi der Tierwohl-Initiative beigetreten, die Bauern Prämien zahlt, wenn sie die Haltungsbedingungen verbessern.

Mit diesen Kampagnen besonders junge Familien und Kinder anzusprechen, ist ein geschicktes Marketing. Denn gerade bei ihnen ist die Sorge um die Umwelt und eine gesunde Ernährung sehr verbreitet. Sie sollen nicht nur mit einer kindgerecht aufbereiteten Broschüre erreicht werden, sondern auch mit einem Gewinnspiel und einer Sammelaktion. In Videos im Stil des Fernsehklassikers „Dingsda“ erklären Kinder auf witzige Weise die einzelnen Siegel.

Die Vertreter der entsprechenden Siegelorganisationen und Umweltschutzverbände sind von dieser Umarmungsstrategie natürlich begeistert. Denn sie profitieren ja auch von dieser Werbung und dem zunehmenden Verkauf ihrer Produkte beim Discounter. „Wir begrüßen die neuen Kampagne von Aldi Süd, die Zielsetzung verschiedener Standardsetzer auf charmante und verständliche Weise einer breiten Konsumentenschicht zugänglich zu machen“, sagt Dieter Overath, der Vorstandsvorsitzende von Transfair.

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