Nachtclub „Goya“
Die Berliner Amüsier-AG hat eröffnet

Trinken und tanzen für die Dividende: Mit mehr als 1500 geladenen Gästen hat Berlins erster aktienfinanzierter Nachtclub „Goya“ eröffnet. Die große Prominenz blieb bei der Premiere nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit allerdings aus. Immerhin: Auf der Aktionärsliste finden sich klangvolle Namen.

HB BERLIN. Als bekannte Unterstützer ließen sich am Donnerstagabend „Goya“-Architekt Hans Kollhoff oder die Schauspieler Rolf Zacher und Ralph Herforth sehen. Die Sorge, dass der Club zu nobel für Berlin sein könnte, war am ersten Abend unbegründet. Die Gäste trugen Tüll-Kleidchen oder Jeans mit Karohemden, doch auch dunkle Anzüge oder schulterfreie Abendgarderobe waren gut vertreten.

Auch ein Wunsch des Goya- Initiators Peter Glückstein ging in Erfüllung: Ein Großteil des Publikums war zu alt für Techno oder Hiphop. Neben der erwachsen gewordenen New-Economy-Jugend zeigten sich auch viele ergraute Ehepaare. In guter Berliner Tradition gab es kleine Bratwurstspießchen zu probieren - neben baskischer Küche, der sich das „Goya“ verschrieben hat.

Sprecherin Alice Brauner betonte, dass vor allem Ärzte und Psychoanalytiker Aktien gezeichnet hätten. Doch auch einem Schornsteinfeger und einem Schädlingsbekämpfer habe die Finanzierungs-Idee gefallen. Die Kommentare über die Einrichtung des nagelneuen Tanzclubs hinter der Jugendstilfassade des Metropoltheaters reichten am Eröffnungsabend von „nüchtern“ bis „eindrucksvoll“. Auf den Säulen-Galerien über der Tanzfläche steckten die Gäste wie im Theater die Köpfe zusammen und genossen Blicke auf das Tanzflächen-Getümmel.

Die zahlreichen Barhocker und Bänke waren schnell besetzt. Eine Stunde nach Einlass war das „Goya“ bereits überfüllt, Nikotinschwaden und Enge veranlassten die ersten Neugierigen schon wieder zum Gehen. Architekt Kollhoff nannte den Bau „einen der schönsten Räume in Berlin“. In keinem deutschen Gebäude sei seit den 50er Jahren so viel Stuck verbaut worden.

Ob die gläsernen Murano-Kronleuchter mit brennenden Kerzen zu kalkweißen Wänden im rot-grünen Discolicht passen, bleibt Geschmacksache. Ein Großteil des Publikums schien die Atmosphäre des nagelneuen Clubs zu genießen. Aus den Lautsprechern tönte Weltmusik mit afrikanischen, arabischen, lateinamerikanischen oder europäischen Klängen. Die Trommelgruppe Dhol-Foundation verschaffte sich auf der Bühne lautstark Gehör.

Das „Goya“ im 100 Jahren alten Metropol-Theater am Nollendorfplatz bietet seinen Gästen donnerstags, freitags und samstags eine riesige Parkett-Tanzfläche in einem 15 Meter hohen, säulengerahmten Ballsaal. Zum Entspannen gibt es Bars oder Lounges. Ungewöhnlich ist vor allem das Geschäftsmodell des „Goya“. Mehr als sieben Millionen der elf Millionen Euro Investitionskosten kamen durch den Anteilsverkauf an mehr als 2500 Aktionäre zusammen. Das teuerste Paket kostete rund 4000 Euro.

Unter den Aktionären finden sich klangvolle Namen wie Carl-Eduard Graf von Bismarck. Anteile haben auch Künstler wie der Maler Markus Lüpertz, der Großbäcker Heiner Kamps, Schauspieler Dominic Raacke, Hertha-Trainer Falko Götz oder die frühere Spitzensportlerin Franziska van Almsick gezeichnet. Sie genießen nun lebenslang freien Eintritt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%