Nächster Verkauf
Metro zieht sich aus Marokko zurück

Die Metro macht weiterhin kurzen Prozess mit ihren Verlustbringern. Nun verkauft Düsseldorfer Handelsunternehmen auch sein komplettes Marokko-Geschäft an den einheimischen Wettbewerber Label Vie. Die Landestochter beschert dem Konzern einen Verkaufserlös in zweistelliger Millionenhöhe.
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DÜSSELDORF. Metros Vorstandschef Eckhard Cordes setzt den Ausverkauf seiner Verlustbringer fort. Wie das Düsseldorfer Handelsnehmen heute mitteilte, verkauft der Dax-Konzern zum Monatsende sein komplettes Marokko-Geschäft an den einheimischen Wettbewerber Label Vie. Die Landesgesellschaft umfasst acht Cash-&-Carry-Märkte mit einem Gesamtumsatz von 208 Mio. Euro.

„Wir sehen für unser spezifisches Modell des Selbstbedienungs-Großhandels in Marokko keine nachhaltige Expansions- und Wachstumsperspektive“, begründete Metro-Vorstand Joël Saveuse die Entscheidung. Nach Konzernunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, verbuchte die von Casablanca aus geführte Gesellschaft, die 1991 von dem damaligen Metro-Partner SHV gegründet wurde, im vergangenen Jahr einen Verlust von 8,1 Mio. Euro.

Dennoch erhält Metro durch den Verkauf einen positiven Ergebnisbeitrag, der nach eigenen Angaben in zweistelliger Millionenhöhe liegt. Den gesamten Transaktionswert gibt der Konzern mit 120 Mio. Euro an.

Die Standorte will Label Vie in SB-Warenhäuser umwandeln. Schon jetzt betreibt das Unternehmen großflächigen Einzelhandel in Marokko – als Franchisenehmer des französischen Handelskonzerns Carrefour.

„In den letzten Jahren haben großflächige Supermärkte in fast allen größeren Städten Marokkos eröffnet“, berichtet Commerzbank-Experte Jürgen Elfers. Dies habe die Erfolgsaussichten für Metro deutlich reduziert. Die Verkaufszahlen belegen das: Vor neun Jahren hatten die Düsseldorfer in Marokko noch fast ein Fünftel mehr umgesetzt als 2009. Dabei besaßen sie damals mit fünf Standorten drei weniger als heute.

Mit der Veräußerung des Marokko-Geschäfts setzt Metro die Trennung von hartnäckigen Verlustbringern fort. Schon vor sieben Monaten hatte Metro angekündigt, erstmals in Deutschland vier unrentable Cash-&-Carry-Märkte zu schließen. Auch die Zentrale des Zustelldienstes Schaper machte dicht. Neben den damit verbundenen 540 Entlassungen strich Metro weitere 240 Jobs in den deutschen Abholmärkten.

Vor knapp vier Wochen gab der Konzern zudem bekannt, das Frankreich-Geschäft von Media-Saturn abstoßen zu wollen. Mit dem Kaufinteressenten HTM, dem auch die SB-Warenhäuser von Auchan unterstehen, werde verhandelt. Kommt der Deal zustande, verliert die Ingolstädter Konzerntochter erstmals eine komplette Landesgesellschaft – und rund 550 Mio. Euro Umsatz.

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  • Die Metro hat seit 2 Jahrzehnten einfach keinen Plan. Man wirtschaftet in der Gegend herum wie die Fliege im Einmachglas. in der Gründungsstadt Mülheim kannibalisiert man sich zu Tode: Die Metro dort wird direkt umringt von 3 eigenen Mitkonkurrenten: Real mit einem Riesenmarkt, Media desgleichen und Praktiker. Da die Metro selbst niemals Grosshandelspreise hatte, war sie auch nie ein wirklicher Grosshandel. Aldi und Lidl lassen den Konzern regelmässig preislich und qualitätsmässig nach Strich und Faden aussteigen. Lediglich im Markensortiment hielt sich die Metro, aber auch nur mittels Überangebot, was zu relativ hohen Preisen führte. im Übrigen liefern auch die Markenhersteller unter falschem Namen an die Discounter. So lebt man vom erdrückend weitgefächerten Lebensmittelsortiment, das angesichts haarsträubend guter Konkurrenz der Discounter auch keine rosige Zukunft mehr bietet. Da hilft der Metro auch kein Frischfisch mehr. Kurzum: Die Metro selbst steht zur Disposition. Man sollte sich in Richtung Karstadt umsehen, um zu erfassen, was da kommt.

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