Nahrungsmittelkonzern
Nestle stellt mehrere Geschäftsbereiche zur Disposition

In den letzten Jahren hat Nestle kräftig Geld in die Hand genommen – das wird sich nun ändern. Zusätzlich stehen einige Geschäftsbereiche auf dem Prüfstand. Den schwächsten davon droht der Chef mit dem Rotstift.
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ZürichDer Nahrungsmittelkonzern Nestle fasst wegen des immer langsamer wachsenden Umsatzes den Verkauf von Geschäftsbereichen ins Auge. "Wenn ein Bereich nicht gut läuft, werden wir das in Ordnung bringen oder den Bereich loswerden", sagte Konzernchef Paul Bulcke am Dienstag auf einer Konferenz für Anleger und Aktienexperten in Vevey am Genfer See. Es gebe bereits eine entsprechende Liste. Der Zeitpunkt für Verkäufe müsse aber klug gewählt werden. Es gebe mehr Bereiche, die restrukturiert statt abgestoßen werden sollen.

Insidern zufolge sucht Nestle einen Käufer für den Energieriegel-Hersteller Powerbar. Die im Jahr 2000 zugekaufte Firma mit einem Umsatz von schätzungsweise 175 Millionen Dollar könnte den Schweizern laut Insidern mehrere Hundert Millionen Dollar einbringen. Was Nestle mit seiner knapp 30-prozentigen Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L'Oreal im Sinn hat, wollte Bulcke nicht sagen. "Da sind alle Optionen offen." Im April läuft ein Aktionärsbindungsvertrag aus und Nestle könnte dann seinen Anteil verkaufen.

Der Weltmarktführer hat eine Vielzahl von Produkten im Angebot - von Nescafe, Schokolade und Mineralwasser über Tierfutter bis hin zu Maggi-Suppen und Gesundheitsnahrung. Nestle beschäftigt weltweit rund 340.000 Mitarbeiter und betreibt mehr als 480 Fabriken in fast 90 Ländern. Im ersten Halbjahr fiel das Umsatzwachstum mit 4,1 Prozent zum ersten Mal seit 2009 unter das Ziel von fünf bis sechs Prozent. Der Konzern blieb damit auch hinter dem Rivalen Danone zurück. Analysten empfehlen Anlegern, eher in Aktien der Franzosen und auch in Unilever -Titel zu investieren.

Bulcke sagte, Nestle werde auch in den nächsten Jahren wachsen. "Um wie viel, das weiß ich nicht". Bei einem Umsatz von rund 45 Milliarden Franken stieg der Gewinn im ersten Halbjahr um 3,7 Prozent auf 5,1 Milliarden Franken (4,15 Milliarden Euro). Vor allem in den Schwellenländern legen die Erlöse nicht mehr so stark zu wie früher. "Das kam nicht über Nacht", so der Firmenchef. Aber schließlich würden Länder wie China auch weiterhin wachsen.

Nestle will nicht mehr so viel investieren. In den kommenden Jahren sollen die Ausgaben hierfür um etwa einen Punkt auf vier bis fünf Prozent des Umsatzes zurückgefahren werden. Nestle habe in der Vergangenheit viel investiert, nun sei es an der Zeit die Früchte zu ernten, so Bulcke.

Nestle will aber auch die Aktionäre nicht vernachlässigen. Finanzchefin Wan Ling Martello betonte, die Dividende sei seit vielen Jahren nicht gekürzt worden. Auch ein Aktienrückkauf sei nicht vom Tisch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn Nestle seinen Anteil an L’Oreal verkaufen sollte wird es schwer werden für den Erlös etwas Gleichwertiges zu bekommen. Wenn sie sich jetzt alle Optionen offen halten werden sie vielleicht Angebote bekommen und können so sehen was L’Oeral im Markt wert ist. Das könnte helfen der Erbenfamilie Bettencourt ein Angebot zu machen.

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