Nahrungsmittelkonzern Nestle trennt sich von US-Teegeschäft

Nestle stößt weiter unrentable Geschäftsbereiche ab. Jetzt hat sich der Nahrungsmittelkonzern Teemarken Sweet Leaf Tea und Tradewinds getrennt. Der Vorstandschef setzt auf andere Getränke.
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Nahrungsmittelkonzern: Nestle trennt sich von US-Teegeschäft Quelle: AP
Nestle

Der weltgrößte Nahrungsmittelherstellers macht mit dem Verkauf einen weiteren Schritt zur Steigerung seiner Rentabilität.

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ZürichDer Nahrungsmittelriese Nestle drückt bei der Bereinigung seines Portfolios von wenig rentablen Geschäftsbereichen aufs Tempo. Die US-Tochter Nestle Waters North America verkauft die Teemarken Sweet Leaf Tea und Tradewinds an die Beteiligungsgesellschaft Fireman Capital Partners und an den Getränkehersteller Dunn's River Brand, wie der Konzern am Montag mitteilte. Die Transaktion solle noch vor Jahresende abgeschlossen werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schätzt den Verkaufspreis auf rund 100 bis 200 Millionen Franken. Nestle hatte die beiden Marken 2011 nach Angaben der ZKB für rund 100 Millionen Franken übernommen. „Die Transaktion ist für Nestle sehr klein. Interessant ist mehr die Tatsache, dass sich Nestle nach nur sechs Jahren aus einer Wachstumsnische verabschiedet, weil offensichtlich die kritische Größe nicht erreicht werden konnte“, kommentierte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
Die Gründung
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1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

Säuglingsnahrung
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1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

Milchprodukte
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Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

Kaffee und andere Getränke
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Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

Kritik an Nespresso
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Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

Cerealien
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Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

Fertigprodukte
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1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

Der weltgrößte Nahrungsmittelherstellers macht mit dem Verkauf einen weiteren Schritt zur Steigerung seiner Rentabilität. Vorstandschef Ulf Mark Schneider setzt auf den Ausbau von Wachstumsfeldern wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und den Gesundheitsbereich. Im Zuge dessen kündigte Nestle zuletzt den Kauf des kanadischen Vitamin- und Nahrungsmittelzusätze-Herstellers Atrium Innovations für 2,3 Milliarden Dollar an. Vor einem Monat erwarb Nestle in den USA den Anbieter von Kaffee-Produkten Chameleon Cold-Brew. Insidern zufolge sollen die Schweizer auch ein Auge auf das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten des Darmstädter Merck-Konzerns geworfen haben. Andere Bereiche wie etwa das US-Süßwarengeschäft dagegen will Schneider verkaufen.

  • rtr
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