Nahrungsmittelkonzern
Schwellenländer drücken Nestlé-Gewinn

Zum ersten Mal seit 2009 ist der Nahrungsmittelkonzern Nestlé unter dem langfristigen Ziel von fünf bis sechs Prozent Wachstum geblieben. Eine Schwäche in den Schwellenländern bremste den Gewinn der Schweizer aus.
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ZürichDie flaue Konjunktur in Europa und den Schwellenländern hat den Nahrungsmittelkonzern Nestlé im vergangenen Jahr gebremst. Der Gewinn sank um rund 600 Millionen Franken auf zehn Milliarden Franken, wie der Schweizer Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz wuchs um 2,7 Prozent auf 92,2 Milliarden Franken (75 Milliarden Euro). Bei der wichtigen Kenngröße organisches Wachstum blieb Nestlé mit 4,6 Prozent zum ersten Mal seit 2009 unter dem langfristigen Ziel von fünf bis sechs Prozent. Das laufende Jahr dürfte ähnlich ausfallen. „Das vergangene Jahr war herausfordernd und 2014 wird voraussichtlich ebenso ausfallen“, sagte Konzernchef Paul Bulcke. Er erwarte wieder ein Wachstum um fünf Prozent.

Dass das Wachstumsziel verfehlt werden könnte, hatte Bulcke bereits im Herbst angedeutet. Er kündigte damals an, schlecht laufende Bereiche würden verkauft oder geschlossen. Zunächst ging die kriselnde Diätsparte Jenny Craig zu einem nicht genannten Preis an einen US-Finanzinvestor. Im Dezember verkaufte das Unternehmen dann eine Beteiligung an dem Aromen-Hersteller Givaudan im damaligen Börsenwert von 1,15 Milliarden Franken an institutionelle Anleger. Verkauft wurden auch der Bereich Sportnahrung - und Insidern zufolge steht auch das Geschäft mit Tiefkühlnahrung auf dem Prüfstand. Die Portfoliobereinigung brachte laut Bulcke 2013 „einige Aufwendungen“ mit sich.

Anfang dieser Woche baute Nestlé seine Beteiligung an dem französischen Kosmetikkonzern L'Oreal um acht Prozent ab. Das spült dem Konzern 3,4 Milliarden Euro in die Kasse, die für ein Aktienrückkaufprogramm verwendet werden sollen, zu dem Nestlé bisher keine Einzelheiten nannte. Die Aktionäre erhalten trotz des Gewinnrückgangs eine 2,15 Franken von 2,05 Franken erhöhte Dividende.

Die Zahlen kamen an der Börse nicht gut an. Schließlich hatten Analysten mit einem etwas höheren Umsatz von gut 93 Milliarden und einem kräftigeren Gewinn von 10,7 Milliarden Franken gerechnet. Der Aktienkurs sank am Morgen um rund zwei Prozent. Manche Experten hatten eine kräftige Dividendenerhöhung erwartet. „Keine Spezialdividende und nicht sehr aufregende Bilanzzahlen“, hieß es in einem Marktkommentar der Deutschen Bank.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nahrungsmittelkonzern: Schwellenländer drücken Nestlé-Gewinn"

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  • Wer will denn heute noch ungesunde Massennahrung, die mit Natur rein gar nichts mehr zu tun hat? Tütensuppe aus Baumrinde und matschige Pizza mit Analogkäse?
    Das Geschäftsmodell hat langfristig ausgedient - und taugt gegenwärtig primär für Schwellenländer. Dort gehts aktuell bergab, damit auch weiterhin für Nestle.

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