Nahverkehr: Bahnen bremsen Wettbewerb um Regionalzüge

Nahverkehr
Bahnen bremsen Wettbewerb um Regionalzüge

Ausschreibungen im Schienenverkehr werden zunehmend beschwerlicher. Experten sagen, für private Bieter seien die Ausschreibungsverfahren immer öfter zu teuer. Eine Flut von Detailvorgaben erledige den Rest.
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DüsseldorfIm Schienennahverkehr in Deutschland sollen in den nächsten Jahren etwa 50 Prozent aller Leistungen neu vergeben werden. Doch die Ausschreibungen um Milliardenaufträge stehen immer häufiger vor dem Scheitern, berichtet das Handelsblatt in der Montagausgabe.

Immer mehr Bahnen würden sich nicht mehr am Wettbewerb beteiligen. Denn, so das Blatt, hohe Investitionen in neue Fahrzeuge und Werkstätten sowie komplizierte Ausschreibungsverfahren mit Vorgaben bis in die kleinsten Details schränken die unternehmerischen Spielräume ein. Und sie kosten vor allem viel Geld. Die Zeitung zitiert den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, demzufolge in den letzten eineinhalb Jahren rund zehn Ausschreibungen entweder zurückgezogen wurden beziehungsweise nur wenige Konkurrenten Wettbewerbsangebote vorlegten. Mit einem „runden Tisch“ würden große und kleine Bahnunternehmen am kommenden Dienstag in Berlin für einen besseren Wettbewerb eintreten.

Zitiert wird ein Insider mit der Feststellung: „Der Markt hat sich gedreht. Eigentlich sollte die Liberalisierung den Wettbewerb der Bahnen um Leistungen bringen, heute ist es der Wettbewerb der Besteller um Bahnen, die überhaupt noch bereit sind zu fahren.“ Die Bahnunternehmen können sich aus der Vielfalt der Ausschreibungen jene aussuchen, die ihnen am besten passen.

Um den bislang erfolgreichen Wettbewerb zu erhalten, bauen die staatlichen Besteller Werkstätten und finanzieren Züge. Der Nebeneffekt, urteilt das Handelsblatt: Sie sorgten so für eine schleichende Re-Verstaatlichung und würden zunehmend typische unternehmerische Risiken übernehmen.

Kommentare zu " Nahverkehr: Bahnen bremsen Wettbewerb um Regionalzüge"

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  • Auch hier gilt Donald Rumsfield's Satz vom "alten Europa"

  • He, he, lieber eine Bahn wie in Großbritannien, da wird schon der Weg zur Arbeit und nach Hause zum Abenteuer!

  • "Sie (die staatlichen Besteller) sorgten so für eine schleichende Re-Verstaatlichung und würden zunehmend typische unternehmerische Risiken übernehmen."

    Aber die Gewinne fließen dann in private Taschen?

    Typisches neoliberale Verhalten der Politik: Gewinne privatisieren, versluste sozialisieren!
    Da gibt es nur eine Alternative: Beides wieder verstaatlichen, dann klappt das wieder mit der Bahn!

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