Nahverkehrssysteme
Stadtbahnen vor dem Kollaps

In vielen deutschen Großstädten sind die Stadtbahn- und U-Bahnsysteme in die Jahre gekommen. Doch vielerorts ist für Kommunen wie Verkehrsbetriebe völlig unklar, woher das Geld kommen soll, um dringend notwendige Investitionen vornehmen zu können.

DÜSSELDORF. Veraltete Signaltechnik, für die es keine Ersatzteile mehr gibt, Renovierungsbedarf bei Tunnel- und Gleisanlagen, Ersatzbeschaffungen im Fahrzeugpark – millionenschwere Erneuerungsinvestitionen sind fällig, um den Kollaps des Nahverkehrs zu vermeiden.

Ob Bonn oder Essen, Bielefeld oder München, Hannover oder Stuttgart – mit reichlich Mitteln von Bund und Land versorgt, leisteten sich viele Städte und Ballungsräume in den 70-er und 80-er Jahren über- und unterirdische Bahnsysteme. „Ohne Stadtbahn ist Mobilität heute in den Großstädten überhaupt nicht mehr vorstellbar“, betont Klaus Vorgang, Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.

Doch während seinerzeit die Fördertöpfe großzügig geöffnet wurden, sind die Finanzminister zurzeit ausgesprochen knausrig. „Nach den heutigen Finanzierungsspielregeln werden nur Erstinvestitionen gefördert, für die Erneuerung der Systeme gibt es bisher keine öffentlichen Mittel“, beschreibt Vorgang die für Unternehmen und ihre kommunalen Eigentümer missliche Situation.

Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet. Dort hatte vor 30 Jahren eine eigens gegründete und vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützte Stadtbahngesellschaft Rhein-Ruhr nach und nach das Schienennahverkehrssystem aufgebaut, das über die Stadtgrenzen hinaus attraktive Verbindungen schafft. Doch heute will das Land von Förderung nichts mehr wissen. „Für Reparaturen gibt es von uns kein Geld, nur für Projekte, die bessere Verkehrsverhältnisse schaffen“, sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Wirtschafts- und Verkehrsministeriums.

„Das ist ein großes, ernstes Zukunftsproblem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eines Tages in den Tunnelanlagen Champignons züchten, weil auf den Schienen nichts mehr geht“, sagt Vorgang. So schwarz will der Vorstandsvorsitzende der Essener Verkehrs-AG (Evag), Horst Zierold, nicht malen, doch er beziffert den Erneuerungsbedarf für sein Unternehmen bis 2015 auf rund 300 Mill. Euro. „Es ist völlig offen, woher das Geld kommen soll. Als Unternehmen werden wir das nicht stemmen können“, sagte der Evag-Chef.

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