Nasdaq-Chef: Ex-Verlierer zurück im Spiel

Nasdaq-Chef
Ex-Verlierer zurück im Spiel

Bob Greifeld, Chef der Technologiebörse, sah erst wie der große Verlierer im Spiel um die Deutsche Börse und Nyse aus. Jetzt ist er wieder obenauf - und glaubt nach wie vor, dass große Börsenfusionen realisierbar sind.
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New York/FrankfurtRobert, genannt Bob, Greifeld, ist kein Mann der leisen Töne. Als der Chef der Technologiebörse Nasdaq im vergangenen Jahr ein feindliches Angebot für die New York Stock Exchange (Nyse Euronext) auf den Tisch legte und damit die Deutsche Börse zurückschlagen wollte, sagte er, es sei nicht zuletzt seine Pflicht als Amerikaner, ein solches Bündnis zu verhindern. Greifeld scheiterte damals. Und viele glaubten, der Nasdaq-Chef würde zum großen Verlierer des Börsenpokers werden. Doch sie irrten.

Greifeld ist wieder obenauf. Nachdem die EU-Kommission in Brüssel in der vergangenen Woche die Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext verboten hat, lotet Greifeld seine Möglichkeiten aus. Und er spuckt schon wieder große Töne. "Ich denke, dass dies nicht bedeutet, dass andere große Börsenfusionen nicht realisierbar sind", sagt der Nasdaq-Chef. Mit anderen Worten: "Ich kann den großen Wurf immer noch landen." Bislang ist er allerdings die Antwort darauf schuldig geblieben, was er plant und wie er es anstellen will.

Eines aber steht fest: Die geplatzte Hochzeit von Deutscher Börse und Nyse Euronext freut vor allem die großen amerikanischen Handelsbetreiber. Das sind die Nasdaq, die Rohstoffbörse in Chicago (CME) oder Intercontinental Exchange (ICE), jener Handelsbetreiber, mit dessen Hilfe Greifeld im vergangenen Jahr die Nyse übernehmen wollte. Sie gehörten eindeutig zu den Gewinnern, sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research. "Die ICE etwa dürfte ihren Brückenkopf in Europa weiter ausbauen. Mit einem Gemeinschaftsunternehmen aus Deutscher Börse und Nyse Euronext als Konkurrentin wäre das natürlich sehr viel schwerer gefallen."

Oder die Rohstoffbörse CME: Für die Chicagoer wird der Wettbewerbsdruck tendenziell sinken. Denn eines der großen Ziele von Deutscher Börse und Nyse Euronext war es, gemeinsam das Geschäft mit US-Futures auszubauen. Es ist jener Bereich, in dem die CME prächtig verdient.

Auch in Europa gibt es Gewinner. Xavier Rolet beispielsweise, den Chef der altehrwürdigen London Stock Exchange (LSE). Mit einem riesigen Handelsbetreiber aus Deutscher Börse und Nyse direkt vor der Tür wäre die LSE zu einer besseren Regionalbörse degradiert worden, sagen Beobachter. Auch deshalb hatten die Londoner besonders um Gehör gebeten bei der EU-Kommission in Brüssel.

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