Nasdaq USA stellt Beteiligung zur Disposition
Euronext prüft Einstieg bei Nasdaq Deutschland

Die pan-europäische Börse Euronext will nach Deutschland expandieren und denkt nach Angaben von mit der Sache vertrauten Kreisen dazu über einen Einstieg bei Nasdaq Deutschland nach.

Reuters FRANKFURT/LONDON. „Euronext ist auf der Suche nach allen möglichen Wegen, um auf den deutschen Markt zu kommen. Sie sind nicht überzeugt davon, dass dies (Nasdaq Deutschland) notwendigerweise der beste Weg wäre, aber auszuschließen ist das nicht“, hieß es in den Kreisen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Börsen-Zeitung“ (Freitagausgabe) hatten zuvor ohne Nennung einer konkreten Quelle berichtet, Euronext werde den Mehrheitsanteil der Nasdaq Europe an Nasdaq Deutschland übernehmen.

Am Vortag hatte die Nasdaq Muttergesellschaft aus den USA die Beteiligung an Nasdaq Deutschland öffentlich zur Disposition gestellt. „Wir erwägen derzeit alle Optionen, haben aber noch keine Entscheidung getroffen“, sagte der erst seit Mitte Mai amtierende neue Nasdaq-Chef Robert Greifeld. Eine Entscheidung sei bis Ende des Jahres zu erwarten, fügte er hinzu. Zuvor hatte Greifeld erklärt, die Nasdaq werde sich in Zukunft vor allem auf ihre Marktstellung in den USA konzentrieren. Die Nasdaq kämpft wie andere Börsen auch mit rückläufigen Umsätzen an den Handelsplätzen. Zuletzt wurden Nasdaq Japan und Nasdaq Europe eingestellt.

Die Sprecher von Euronext und Nasdaq wollten die Angaben nicht kommentieren. In Branchenkreisen hieß es, die wenig erfolgreiche Nasdaq Deutschland habe nicht viel mehr zu bieten als den Markennamen. Die Umsätze an dem Börsenplatz sind derzeit recht gering. So wurden im Mai Wertpapiere im Gegenwert von rund 122 Mill. € gehandelt. Zum Vergleich: Allein der im Nebenwertesegment der Deutschen Börse gelistete Sportartikelhersteller Puma verzeichnete im Mai einen Börsenumsatz von 150 Mill. €.

Jörg Franke, Aufsichtsratsmitglied von Nasdaq Deutschland und Nasdaq Europe, zeigte sich unbeeindruckt von der Diskussion. „Falls die Äußerungen von Nasdaq Inc. bedeuten, dass sich die Nasdaq aus Europa zurückziehen will, dann wäre es nur konsequent, die Anteile zu verkaufen“, sagte er Reuters. „Das würde aber dem Marktplatz nicht schaden“, fügte er hinzu. Ob es Gespräche gebe, könne er nicht sagen. Das sei Sache der Anteilseigner. Ein Einstieg von Euronext wäre indessen ein Zeichen, dass diese an den Erfolg von Nasdaq Deutschland glaube.

Nasdaq Deutschland hatte im März 2003 als Konkurrenz zum Marktführer Deutsche Börse den Betrieb aufgenommen und ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Commerzbank, der Tochter Comdirect, der Dresdner Bank, der Börse Berlin-Bremen und der Nasdaq Europe. Nasdaq Europe besitzt derzeit 50 % plus eine Aktie an dem deutschen Handelsplatz.

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