Neckermann an die Börse
Karstadt zerschlägt Versandhandel

Der Handelskonzern Karstadt-Quelle geht nach seiner Warenhaus-Sparte jetzt auch den defizitären Versandhandel an. Nur noch eine der beiden großen Katalogmarken Quelle und Neckermann bleibt im Unternehmen, die andere wird abgestoßen. Auch vor Schließungen schreckt der Konzern nicht mehr zurück.

HB DÜSSELDORF. Der Universalversand werde sich künftig auf die Marke Quelle konzentrieren, teilte der Konzern am Dienstag mit. Der zweite Universalversender neckermann.de – ehemals Neckermann – solle 2007 an die Börse gebracht oder verkauft werden. Bei einem Börsengang wolle Karstadt weiterhin Anteile halten. Quelle solle dagegen ausgebaut und auch im Bereich Teleshopping aktiv werden.

In seinem Geschäft werde sich Quelle auf Mittel- und Osteuropa sowie den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Die Quelle-Gesellschaften in Spanien, Portugal und Spanien sollen dagegen ebenfalls verkauft werden; entsprechende Gespräche liefen bereits. In Belgien und den Niederlanden werden die Geschäfte eingestellt.

Im Spezialversand mit derzeit 18 Marken will sich Karstadt-Quelle auf drei Zielgruppen konzentrieren: Senioren jenseits der 60 (z.B. Peter Hanhn), das Premium-Segment (z.B. Elegance) sowie so genannte „Communities“ (z.B. Baby-Walz oder Hess-Natur). „Von Spezialversendern, die außerhalb dieser drei Segmente liegen, wird sich Karstadt-Quelle kurz- bis mittelfristig trennen und passende Unternehmen innerhalb dieser Zielgruppen hinzukaufen“, heißt es vom Konzern.

Auch die Dienstleistungen rund um den Versandhandel – gebündelt in der Versandhandels-Service Group – sollen verkauft oder mit einem Partner entwickelt werden. Zu der Gruppe gehören 14 Call Center, 5 Logistikstandorte sowie diverse IT-Dienstleister. Insgesamt arbeiten dort 10 000 Menschen. Karstadt-Quelle hat bereits Teile seiner Logistik an die Deutsche Post abgegeben.

Pläne über den Haufen geworfen

Ursprünglich wollte Konzernchef Thomas Middelhof neckermann.de zum größten Online-Händler Deutschlands ausbauen und Quelle als klassischen Katalogversender belassen. Der gestartete Umbau fruchtete jedoch nicht. Vor allem wegen des Versandhandels war der Konzern im abgelaufenen dritten Quartal mit 79 Mill. Euro ins Minus gerutscht. In dem Zeitraum hatten Karstadts Versandhändler einen Umsatzeinbruch von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verkraften müssen, gepaart mit hohen Verlusten.

„Wir konzentrieren unsere Kräfte“, kommentierte der für den Versandhandel zuständige Vorstand Marc Sommer am Dienstag den Strategiewechsel. 2007 will das Unternehmen die Gewinnschwelle in der Sparte erreichen.

Während das operative Geschäft – auch bei den Warenhäusern – immer noch nicht Tritt gefasst hat, konnte der Konzern zumindest seine angespannte Finanzsituation zwischenzeitlich deutlich verbessern. Durch den milliardenschweren Verkauf fast aller Immobilien vom Logistikzentrum bis zum Warenhaus konnte Middelhoff die Bankschulden nach eigener Aussage komplett tilgen. Zuvor hatte er 74 kleinere Warenhäuser abgestoßen. Übrig blieben die großen Karstadt-Läden inklusive der Premium-Geschäfte wie dem Berliner KaDeWe.

Pläne für Thomas Cook bleiben bestehen

An seinen Plänen für den Tourismuskonzern Thomas Cook hält der Karstadt-Quelle-Konzern fest, wie ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage sagte. Der Konzern hatte Interesse an einer kompletten Übernahme von Europas zweitgrößtem Tourismuskonzern bekundet. Derzeit gehört das Unternehmen mit den beiden Hauptmarken Neckermann Reisen und Condor je zur Hälfte Lufthansa und Karstadt-Quelle.

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