Neckermann
Die hausgemachte Pleite

Mit Neckermann geht es zu Ende, doch die Branche will trotzdem nicht von Krise sprechen. Aus der Sicht von Experten sind Pleiten wie die von Neckermann oder Schlecker hausgemacht. Nun trenne sich die Spreu vom Weizen.
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FrankfurtDie Werber von Amazon waren schon da: Als am Dienstag bei einer Jobbörse im Frankfurter Neckermann-Haus neue Arbeitsgelegenheiten für die rund 2000 Beschäftigten gesucht wurden, war auch der Online-Riese vertreten, der rund 140 Kilometer weiter nördlich in Bad Hersfeld eines seiner größten Distributionszentren in Europa betreibt. Am osthessischen Autobahnkreuz werden ständig neue Leute gesucht und weitere Hallen gebaut, während in der angegrauten Neckermann-Zentrale in Frankfurt-Fechenheim immer weniger zu tun ist.

Trotz weiterer Pleiten wie bei Schlecker oder geplanten Entlassungen bei Metro und Karstadt wollen Fachleute nicht von einer Krise der Branche sprechen. „Im Handel trennt sich gerade die Spreu vom Weizen“, sagt beispielsweise der Handelsexperte Thomas Harms von der Beratungsgesellschaft Ernst&Young.

Nach der Konzernschwester Quelle im Jahr 2009 droht mit Neckermann der zweite große Versandhändler Nachkriegsdeutschlands in der Versenkung zu verschwinden. An die Stelle der Dinosaurier sind neben dem US-Giganten Amazon zahlreiche schnelle Anbieter wie zum Beispiel der Berliner Internet-Versender Zalando getreten, immer mehr stationäre Händler generieren zusätzliche Umsätze im Netz. Zuletzt sind die Metro-Elektrohandelsriesen Saturn und Media-Markt auf den Online-Zug aufgesprungen. Schwergewicht Otto schlägt sich wacker, will aber auch Jobs abbauen.

Der Online-Handel wächst zwar deutlich schneller als der stationäre Handel, macht laut Einzelhandelsverband HDE aber immer noch erst ein Zwanzigstel des gesamten Volumens aus. „Neckermann oder Schlecker sind tatsächlich Einzelfälle. Das hat mit einer generellen Entwicklung im Handel nichts zu tun“, sagt HDE-Sprecher Kai Falk.

Er verweist auf die nach wie vor stabile Umsatzentwicklung mit einem Plus von 2,6 Prozent im ersten Halbjahr. Zwar werden die Betriebe beim Blick auf die Eurokrise vorsichtiger, doch ein nominales Umsatzplus von 1,5 Prozent wird nach HDE-Erwartung in diesem Jahr schon noch herauskommen.

Ebenfalls auf Rekordkurs ist die Beschäftigtenzahl, die laut HDE zur Jahreswende erstmals die Drei-Millionen-Grenze überschritten hat. Dabei stieg auch die Zahl der sozialversicherten Vollzeitkräfte auf zuletzt 1,27 Millionen. Auch für die rund 2400 Neckermann-Beschäftigten in Hessen und Sachsen-Anhalt stehen daher die Chancen auf einen neuen Job nicht ganz so schlecht.

Kommentare zu " Neckermann: Die hausgemachte Pleite"

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  • zalando in dem artiel zu erwähnen ist schlicht unredlich, das ist eine firma die nur geld verbrennt. es ist das übliche böswillige "geschäftmodell" der samwer-brüder.
    man kopiere ein in amerika erfolgreichens geschäftmodell, mache umsatz auf teufel komm raus. um dann das ganze so teuer wie möglich ans amerikanische original zu verkaufen oder einen anderen dummen.

    bisher unzählige mal gemacht: beim ebay klon, groupon klon, facebook -klon.

    kurze zeit später waren die firmen immer am ende.

  • Neckermann: Pleite hausgemacht? Also wieder haben die überbezahlten Manager mit ihren Boni komplett versagt!

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