Nestlé
Lebensmittel-Riese blickt optimistisch in die Zukunft

Der Nahrungsmittelriese Nestlé wächst langsamer als noch im Vorjahr. Analysten hatten jedoch mit einem schlechteren Jahresstart gerechnet – und hoffen, dass der Konzern unter Mark Schneider zu alter Kraft zurückfindet.
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Zürich Der nachlassende Appetit auf Fertigprodukte, das späte Osterfest und die Wirtschaftsflaute in Teilen der Welt haben Nestlé zu Jahresbeginn gebremst. Im ersten Quartal lag das organische Wachstum des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns bei 2,3 Prozent nach 3,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Es ist der langsamste Jahresstart für den Konsumgüterriesen mit Marken wie Nescafé, Maggi oder Smarties seit über einem Jahrzehnt.

In absoluten Zahlen blieb der Umsatz in den ersten drei Monaten mit 21 Milliarden Franken in etwa auf dem Vorjahresniveau, wie der Schweizer Konzern am Donnerstag mitteilte. An der Börse kamen die Zahlen dennoch gut an, weil viele Investoren mit einem noch schlechteren Jahresstart gerechnet hatten: Die Nestlé-Aktie legte knapp ein Prozent zu.

Viele Menschen setzen zunehmend auf frische Lebensmittel und kaufen weniger Fertigprodukte. Darüber hinaus gelang es Nestlé wegen der mauen Wirtschaftsentwicklung in Teilen der Welt weiterhin nur begrenzt, die Preise anzuheben. Zudem hatte der Konzern im Vorjahr von den frühen Osterfeiertagen Ende März profitiert, die das Süßigkeitengeschäft beleben. 2017 fand Ostern erst im April und damit im zweiten Quartal statt.

Die Experten des Vermögensverwalters Vontobel sprachen angesichts dieser Sondereffekte von einem „relativ guten Start“. Die Bernstein-Analysten erwarten für die kommenden Quartale ein schnelleres Wachstum. Nestlé selbst rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem organischen Zuwachs zwischen zwei und vier Prozent sowie einer stabilen operativen Ergebnismarge zu konstanten Wechselkursen.

Absatzflaute in Amerika – Sinkende Preise in Teilen Europas

Frischen Wind und eine Rückkehr zu alter Stärke erhoffen sich die Anleger vom seit Jahresbeginn amtierenden Konzernchef Mark Schneider: Der frühere Fresenius-Chef hat sich bis 2020 ein mittleres einstelliges organisches Wachstum vorgenommen. Um das zu erreichen setzt er zum einen auf den Ausbau des Kerngeschäfts und will hier vor allem gut laufende Marken stärken. Darüber hinaus legt er einen Schwerpunkt auf das vielversprechende Gesundheitsgeschäft mit Hautpflegeprodukten oder Spezialnahrung für alte und kranke Menschen. Spekulationen über baldige große Zukäufe hatte der Manager zuletzt eine Absage erteilt.

Zunächst aber muss sich Schneider auf die Problemkinder konzentrieren: Besonders zu kämpfen hatte Nestlé im ersten Quartal in Nord- und Südamerika: In den USA griffen die Konsumenten weniger oft zu den Süßigkeiten und Tiernahrungsprodukten der Schweizer. In weiten Teilen Europas gelang es Nestlé wegen der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung zudem weiterhin nicht, die Preise zu erhöhen.

Deutlich besser entwickelte sich lediglich das Geschäft in Asien, Ozeanien und Teilen Afrikas, wo Nestlé sowohl den Absatz steigern als auch an der Preisschraube drehen konnte. Lediglich in China verzeichnete der Konzern Einbußen: Grund dafür war unter anderem die Absatzflaute bei der kriselnden Marke Yinlu für Erdnussmilch und Reis-Porridge. Die Geschwindigkeit des Rückgangs habe jedoch abgenommen, erklärte Nestlé.

Der Konzern mit Sitz am Genfersee schnitt damit auch schlechter ab als Unilever: Der britisch-niederländische Rivale mit Marken wie Knorr, Rexona oder Magnum steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal bereinigt um Währungseffekte um 2,9 Prozent und erwartet für das Gesamtjahr ein Plus zwischen drei und fünf Prozent. Zuletzt war Unilever wegen einer 143 Milliarden Dollar schweren Übernahmeofferte des US-Konzerns Kraft Heinz in den Schlagzeilen; als sich Widerstand gegen das Angebot abzeichnete, zogen die Amerikaner dieses jedoch wieder zurück.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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