Nestlé

Ulf Mark Schneider will das Wachstum antreiben

Zum vierten Mal in Folge verfehlt Nestlé das selbst auferlegte Umsatzwachstum. Auch der Gewinn fällt niedriger aus. Trotzdem erhalten Aktionäre eine höhere Ausschüttung. Ein neuer Chef soll es richten.
Update: 16.02.2017 - 14:16 Uhr Kommentieren
Der Nahrungsmittelkonzern will ein stärkeres Wachstum. Quelle: AFP
Nestlé

Der Nahrungsmittelkonzern will ein stärkeres Wachstum.

(Foto: AFP)

VeveyDer neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider will den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern bis zum Ende des Jahrzehnts wieder auf Touren bringen. Um das zu erreichen, will der seit Jahresbeginn amtierende Firmenlenker bei dem Traditionskonzern mit Marken wie Nescafé, Maggi oder KitKat jedoch keine Kehrtwende vollziehen.

Vielmehr orientiert er sich am Kurs seiner Vorgänger und setzt neben dem Ausbau des Kerngeschäfts auf den vielversprechenden Gesundheitsmarkt: Hier ist Nestlé neben Hautpflegeprodukten bereits mit Spezialnahrung für alte und kranke Menschen vertreten. „Es gibt keine Notwendigkeit, die Strategie zu ändern, es geht darum, sie gut umzusetzen“, sagte der 51-jährige Manager auf seiner ersten Pressekonferenz am Firmensitz am Ufer des Genfer Sees.

Bis 2020 hat er sich mittlere einstellige Wachstumsraten beim Umsatz zum Ziel gesetzt. Damit würde Nestlé an die Zuwächse früherer Jahre anknüpfen. 2016 erreichte der Schweizer Konzern lediglich ein Plus von 3,2 Prozent – der schwächste Wert seit mehr als zehn Jahren. Dabei bekam der Marktführer die Zurückhaltung vieler Kunden in Schwellenländern zu spüren. Auch dort setzen viele Menschen zunehmend auf frische Lebensmittel und kaufen weniger Fertigprodukte. Zudem konnte Nestlé wegen der mauen Wirtschaftsentwicklung in Teilen der Welt nicht wie erhofft die Preise anheben.

Das Reich der Milliardärs-Familie Reimann
Reckitt Benckiser
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Die Geschichte der Unternehmerfamilie Reimann geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Der Chemiker Karl Ludwig Reimann gründete 1851 zusammen mit Johann Adam Benckiser eine Chemiefabrik in Ludwigshafen – der Quell des Reichtums. Heute ist die Familie über die Finanzholding Joh. A. Benckiser an zahlreichen Unternehmen beteiligt. Mit rund 15 Prozent sind die Reimanns weiterhin Hauptaktionär beim britischen Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser, zu dem unter anderem die Marken Calgon, Clearasil oder Durex gehören.

Doch mit dem Verkauf von Teilen ihres Erbes am ehemaligen Chemiekonzern Benckiser erlösten sie viel Geld – und nutzen das für spektakuläre Deals.

Coty
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Parfüm ist ein weiteres Standbein der Reimanns: Der US-Hersteller Coty – mittlerweile ein globaler Kosmetikkonzern – gehörte den Deutschen lange allein. Auch nach dem Börsengang 2013, bei dem die Reimanns mächtig Kasse machten, halten sie die Mehrheit am Unternehmen. Neben Parfüms von Stars wie Lady Gaga ist Coty bekannt für Marken wie Davidoff oder Joop. Im Parfüm-Geschäft erlitten die Reimanns aber auch eine der größten Niederlagen der letzten Jahre...

Gescheiterter Avon-Kauf
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Mit Coty wollten die Reimanns den US-Konkurrenten Avon kaufen. Doch der zierte sich trotz eines Gebots von mehr als zehn Milliarden Dollar. Die Reimanns zogen ihre Offerte schließlich zurück.

Wella
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Dann wieder ein Erfolg im Kosmetik-Business: Im Juni 2015 stach die Familie Reimann den Dax-Konzern Henkel beim Bieterrennen um Wella aus. Der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble (P&G) verkaufte die deutsche Friseurmarke an Coty.

Handelsbank
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Auch die ehemalige „Sofort Bank“ gehört zum Portfolio der Reimanns. Die Handelsbank preist sich auf ihrer Website als Finanzier mehrerer deutscher Start-ups. Eng verwoben ist die Unternehmerfamilie auch mit der Deutsche Kontor Privatbank, laut Eigenbeschreibung „eine exklusive Bank für Vermögensverwaltung von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Reimann, die sich Ende der 1990er-Jahre von ihrer Beteiligung am früheren Familienunternehmen getrennt haben“.

Jimmy Choo
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Die Reimanns sind auch Schuhhändler – mit Hang zum Luxus: Seit 2011 ist die Familie an Jimmy Choo beteiligt. Der Kauf erfolgte über die Holding Labelux.

Bally
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Noch mehr Luxus: Auch die Schweizer Luxusmarke Bally, unter der Schuhe, Bekleidung und Accessoires vertrieben werden, gehört zu Labelux, wie auch der italienische Lederwarenhersteller Zagliani (mittlerweile in Bally integriert).

Für das laufende Jahr erwartet Schneider ein organisches Umsatzwachstum zwischen zwei und vier Prozent. „Das spiegelt die makroökonomische Unsicherheit wider, die wir alle spüren“, sagte er. Es sei schwer zu sagen, ob und wann Nestle die Preise anheben könne.

An der Börse kam das nicht gut an: Die Nestlé-Aktie verlor gut zwei Prozent. „2017 ist zu einem Übergangsjahr geworden“, sagte ein Händler. „Der Führungswechsel weckt Erwartungen, aber auch von Schneider sind keine Wunder zu erwarten.“ Und Nestlé ist mit den Problemen nicht allein – auch die Konkurrenz wächst langsamer: Der Umsatz der französischen Danone stieg im Vorjahr auf vergleichbarer Basis um 2,9 Prozent. Der britisch-holländische Rivale Unilever mit Marken wie Lipton, Knorr und Rexona steigerte seine Erlöse um 3,7 Prozent.

Vor seinem Amtsantritt in Vevey war Schneider lange Jahre Chef des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius, den er über Milliardenübernahmen ausgebaut hatte. Das schürte bei Investoren und Analysten Erwartungen auf mögliche Großübernahmen bei Nestle. „Zukäufe sind mir nicht fremd“, sagte Schneider. Doch angesichts der hohen Bewertung vieler Firmen sei dies nicht die Zeit für große Übernahmen.

Sieht so der Nespresso-Killer aus?
Das Modell Gamma
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Die umweltfreundliche Edelstahlkapsel Gamma, die vor zwei Jahren auf den Markt gebracht wurde, ist als Schweizer Erfindung patentiert. Sie besteht aus zwei Teilen, die sich auseinanderschrauben und mit Kaffeepulver auffüllen lassen. Mittlerweile gibt es eine Weiterentwicklung... (Foto: Lecker GmbH)

Öko-Kapsel
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Der Schweizer Uhrmacher Erwin Meier hat einen Nespresso-Klon erfunden, mit dem man nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch 500 Euro im Jahr sparen kann. Kürzlich hat der Gründer von Mycoffeestar eine neue Kapsel kreiert, die sich in drei Teile auseinandernehmen und ohne teure Versandkosten in einem Briefumschlag verschicken lässt. „Die Konstruktion aus drei Teilen lässt sich ökologisch sechs mal billiger versenden“, erzählt Erwin Meier. Dieser Kniff hat seiner Erfindung den Red Dot Design Award 2015 eingebracht. Preis: 37,90 Euro.

Schweizer Uhrenstahl
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Beide Kapseln, die für je 37,90 Euro inklusive einer Kaffeeprobe verkauft werden, sind aus Hightech-Stahl, der auch für hochqualitative Uhrengehäuse verwendet wird. Erwin Meier legt wert darauf, dass seine Erfindungen die einzigen unter wieder befüllbaren Kaffeekapseln sind, die keine Giftstoffe enthalten. Dies soll sogar die Zeitschrift Öko-Test bewertet haben (hier gelangen Sie zum Artikel). Für das perfekte Aroma und eine Crema wie beim Original sind die Löcher gelasert. (Foto: Lecker GmbH)

500 Euro im Jahr
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Mit der Mehrweg-Kapsel kann man nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch Geld sparen. Weil sie keine verschleißenden Bestandteile wie einen Dichtungsring hat, ist sie quasi ewig einsetzbar. Bei vier Tassen Kaffee am Tag spart der Kunde im Jahr fast 500 Euro, denn, so der Hersteller, rechnet man den Inhalt einer Nespresso-Kapsel hoch, bezahlt man fast 100 Euro für 1 Kilogramm Kaffee. (Foto: Lecker GmbH)

Passt
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Passt in die verschiedenen Nespresso-Maschinen und wird auch genauso eingelegt: Die Mehrweg-Kapsel hält einem Druck von 18 bar Stand und kann nach Gebrauch unter einem Wasserhahn gereinigt werden.

(Foto: Lecker GmbH)

Delta
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Bei einem kleinen Test in der Redaktion musste man die Maschine bei der Gamma-Kapsel aber noch fest zudrücken. Etwas fluffiger soll es jetzt bei der Delta funktionieren.

Vorsicht heiss!
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Wie gewohnt kommt am Ende frischer Kaffee aus der Maschine. Den Kaffee muss man sich selbst besorgen. Die Schweizer empfehlen einen Mahlgrad von 2.25 für Espresso und 2.5 – 2.75 für Kaffee. Da die Kapsel nach Gebrauch heiß ist, rät der Erfinder dazu, sie erst nach einigen Minuten, wenn sie abgekühlt ist, aus dem Auffangbehälter der Nespresso-Maschine zu entnehmen. (Foto: Lecker GmbH)

Ob zur Finanzierung eines großen Deals ein Verkauf des Anteils von gut 23 Prozent am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal in Betracht komme, ließ Schneider offen. Die Beteiligung habe strategische Bedeutung und werfe gute Gewinne ab, sagte er.

Angesichts des schwierigen Umfelds will Schneider weiter sparen – doch das kostet zunächst Geld: Für das laufende Jahr kalkuliert er mit Restrukturierungskosten von 500 Millionen Franken und erwartet daher stagnierende operative Margen. Details zum Sparprogramm gab es nicht.

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn bei einem Umsatz von 89,5 Milliarden Franken unter anderem wegen eines Steuereffekts auf 8,5 Milliarden Franken. Die Aktionäre sollen dennoch eine höhere Dividende von 2,30 (Vorjahr: 2,25) Franken je Aktie erhalten.

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