Nettoverlust im ersten Quartal auf Vorjahresniveau
Handelskonzern bleibt eine Großbaustelle

An der desaströsen Finanzlage hat sich für die Essener Karstadt-Quelle AG auch im ersten Geschäftsquartal unterm Strich gegenüber dem Vorjahr kaum etwas geändert.

HB ire DÜSSELDORF. Der Nettoverlust betrug nach den gestern vorgelegten Zahlen nach Abschluss der ersten drei Monate des laufenden Jahres nahezu unverändert 111,3 (Vorjahr: 110,2) Mill. Euro. Analysten hatten hingegen bereits mit einem Rückgang des Konzernverlustes auf 104 Mill. Euro gerechnet. Diese Erwartungen hat Finanzvorstand Harald Pinger gestern herb enttäuscht.

Ein Silberstreif am Horizont deuten lediglich die von 4,9 auf 4,3 Mrd. Euro zurückgeführten Nettofinanzverbindlichkeiten an. Hier zeigen sich die positiven Effekte aus dem Verkauf der Logistiksparte und der Veräußerung von Anteilen an dem Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) sowie dem TV-Verkaufssender Home Shopping Europe.

Die Quartalszahlen zeichnen ein deutliches Bild der weiterhin bestehenden Problemfelder des Essener Handelskonzerns. Trotz Neuausrichtung der Geschäftsbereiche Warenhaus und Versandhandel bleibt das Kerngeschäft von Karstadt-Quelle eine Großbaustelle.

Nach Fokussierung auf neue Fashion- und Living-Konzepte in den 89 Warenhausfilialen, an denen die Essener auch weiterhin festhalten wollen, lief in diesem Bereich ein Umsatzminus von 5,2 Prozent auf. Damit übertraf Karstadt-Quelle sogar noch das Negativergebnis der Galeria-Kaufhof-Warenhäuser des Hauptkonkurrenten Metro: Der Mitbewerber hatte erst in der vergangenen Woche ein Umsatzminus von 4,3 Prozent in diesem Sektor für die ersten drei Monate gemeldet.

Ganz bitter sieht es aber in den 77 zum Verkauf stehenden kleineren und mittleren Karstadt-Filialen aus. Die in der Karstadt-Kompakt GmbH & Co KG zusammengefassten Häuser verzeichneten im ersten Quartal ein Umsatzminus von fast zehn Prozent. Hier ist nun für den neuen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff ganz besonders schnelles Handeln angesagt, damit sich weiter zu erwartende Belastungen aus dem Karstadt-Kompakt-Bereich nicht potenzieren. Denn Finanzchef Pinger rechnet nach Abschluss des Desinvestment-Programms, zu dem auch der Verkauf von Fachgeschäftsketten wie Sinn-Leffers oder Wehmeyer gehören, noch in diesem Jahr mit einem Liquiditätszufluss von insgesamt 1,1 Mrd. Euro.

Auch für den Versandhandel besteht weiterhin Alarmstufe rot. Hier meldeten die Essener ebenfalls ein Umsatzminus von fast zehn Prozent, der Universalversand mit den Marken Neckermann und Quelle verlor gar fast 14 Prozent Umsatz. Ausschlaggebend war das schleppende Geschäft im Inland. Nach Unternehmensangaben liegt allein Neckermann im Plan, während der Druck auf den Versender Quelle weiter wächst. Als auch nach außen sichtbare Sparmaßnahme will Quelle künftig auf Top-Modell Claudia Schiffer als Covergirl für den Hauptkatalog verzichten.

Die vorgelegten Quartalszahlen beeindruckten die Analysten kaum. Die Experten behielten ihre schon lange zuvor abgegebenen Empfehlungen bei, die in der überwiegenden Mehrzahl zwischen „verkaufen“ und „halten“ schwanken. Denn für Optimismus bleibt wenig Raum: Auch unter neuer Führung bewegt sich Karstadt-Quelle weiterhin in schwerer See, da die Kaufzurückhaltung der deutschen Konsumenten anhält. Ganz besonders in den für den Essener Handelskonzern relevanten Bereichen Versand, Textilien, Schuhe und Lederwaren.

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